Gott ist meine Stärke und mein Schild,
auf ihn hofft mein Herz,
und mir ist geholfen.
Psalm 28,7
Liebe Jubilarinnen und Jubilare,
liebe Gemeinde,
wir feiern heute ein Fest,
bei dem es nicht zuerst darum geht,
was wir selbst geleistet und geschafft haben
oder wie weit wir gekommen sind.
Es geht vielmehr um die Frage:
Was ist mir im Leben alles geschenkt worden?
Wie oft bin ich behütet worden,
obwohl es auch hätte schiefgehen können.
Wie oft sind mir Kräfte zugewachsen,
mit denen ich gar nicht gerechnet hatte.
Mit welchem Mut bin ich manchmal
an eine Aufgabe herangegangen.
Kaum zu glauben:
Nach allem, was ich erlebt habe,
habe ich wieder Vertrauen ins Leben gefunden.
Und wenn ich genauer hinschaue,
dann gab es immer wieder Menschen,
die für mich da waren.
Die Schweres mit mir getragen
und Schönes mit mir geteilt haben.
Die Person, die vor langer Zeit
den 28. Psalm gebetet hat,
kannte offenbar solche Zeiten,
in denen das Leben nicht einfach war.
Zeiten, in denen ungewiss war,
wie es weitergehen sollte.
Und vielleicht auch Zeiten,
in denen die eigene Kraft nicht ausreichte.
Doch mitten in allem
hält sie sich an Gott.
Sie vertraut darauf,
dass sie nicht allein ist.
Dass es Halt gibt,
auch wenn nicht alles sicher ist.
Und so spricht sie die Worte,
die uns heute durch diesen Gottesdienst begleiten:
„Gott ist meine Stärke und mein Schild,
auf ihn hofft mein Herz,
und mir ist geholfen.“
Zurückschauen
Ich kenne Sie, liebe Jubilarinnen und Jubilare,
nicht alle persönlich.
Ich weiß nicht,
mit welchen Hoffnungen Sie damals
in Ihr Leben gestartet sind.
Was aus Ihren Träumen geworden ist.
Was gelungen ist
und was ganz anders kam als gedacht.
Vielleicht würden Sie heute
vieles wieder genauso machen.
Vielleicht würden Sie manches
auch anders entscheiden.
Jede und jeder von Ihnen
hat eine eigene Geschichte.
Mit schönen Erfahrungen,
mit schwierigen Zeiten
und mit vielem,
was sich erst im Rückblick erschließt.
25Jahre
Silberne Konfirmationkonfirmiert 1999 bis 2001
Als Sie, liebe silberne Jubilarinnen und Jubilare,
1999, 2000 oder 2001 konfirmiert wurden,
waren das Jahre zwischen Aufbruch,
Hoffnung und einem jähen Einschnitt.
1999 zieht der Bundestag nach Berlin.
Die Sonnenfinsternis lässt uns staunend
mit Schutzbrillen in den Himmel schauen.
Und Pokémon erobert die Schulhöfe.
2000 beginnt ein neues Jahrtausend.
Die befürchtete Computerkatastrophe bleibt aus.
Vieles fühlt sich nach Zukunft an:
neue Technik, Handys, SMS
und die ersten eigenen Schritte ins Erwachsenwerden.
Auch 2001 beginnt hoffnungsvoll:
Wikipedia geht online,
Harry Potter kommt ins Kino,
die No Angels singen sich in unsere Herzen.
Doch am 11. September verändert sich der Blick auf die Welt.
Die Bilder der Anschläge erschüttern uns.
Was eben noch selbstverständlich schien,
ist plötzlich nicht mehr sicher.
Und Sie mittendrin.
Sie standen am Anfang Ihres Erwachsenenlebens
und konnten kaum ahnen,
was die kommenden Jahre bringen würden.
Vielleicht haben auch Sie später erfahren,
wie wichtig es ist, Halt zu finden,
wenn Sicherheiten ins Wanken geraten.
Wie viel Kraft und Vertrauen
lag in den Worten,
die Ihnen bei Ihrer Konfirmation zugesprochen wurden.
50Jahre
Goldene Konfirmationkonfirmiert 1976
Sie, liebe goldene Jubilarinnen und Jubilare,
und ich haben etwas gemeinsam:
Wir wurden am 11. April 1976 konfirmiert.
Palmsonntag. Ich im Samtanzug.
Ungewohnt – aber im Rückblick
doch ein würdiger Rahmen.
Helmut Schmidt war Bundeskanzler.
Die Welt war voller Musik:
ABBA, Boney M. und Queen.
Am Donnerstag nach der Schule
kauften wir gleich die neue Bravo.
Unsere Zimmer voller Poster,
Partys im Jugendraum
und die Neugier auf das Erwachsenwerden.
Wir standen vor dem Altar
und bekamen Gottes Segen zugesprochen.
Vielleicht wussten wir damals noch gar nicht,
wie viel Leben vor uns lag
und wie sehr uns dieser Segen
einmal tragen könnte.
60Jahre
Diamantene Konfirmationkonfirmiert 1966
Und noch einmal zehn Jahre zurück:
Sie, liebe diamantene Jubilarinnen und Jubilare,
wurden am Palmsonntag 1966 konfirmiert.
Ludwig Erhard war Bundeskanzler.
Musikalisch gab es Aufbruch:
Beatles, Rolling Stones und Beach Boys.
Daneben die vertrauten Schlager
von Roy Black, Freddy Quinn und Udo Jürgens.
Zwei Welten lagen manchmal nah beieinander:
Hier die Sehnsucht nach Freiheit,
nach neuen Möglichkeiten,
nach einem eigenen Weg.
Dort die Traditionen und Erwartungen,
die das Leben bestimmten –
gerade auf dem Land.
Rebellisch sein oder sich anpassen?
Den eigenen Vorstellungen folgen
oder das tun, was von einem erwartet wurde?
Es war nicht immer leicht,
selbst zu entscheiden,
wie das eigene Leben aussehen sollte.
Und manchmal dauerte es Jahre,
bis man seinen eigenen Weg gefunden hatte.
65Jahre
Eiserne Konfirmationkonfirmiert 1961
Und 1961, als Sie, liebe eiserne Jubilarinnen und Jubilare,
Ihre Konfirmation feierten,
sah der Alltag noch anders aus als heute.
Auf dem Land war vieles
von der Arbeit und den Pflichten
in Familie und Haushalt bestimmt.
Ein eigener Fernseher
war noch längst nicht selbstverständlich.
Wenige Monate nach Ihrer Konfirmation
begann im August 1961 der Bau der Berliner Mauer.
Eine Grenze wurde errichtet,
die Menschen voneinander trennte
und ihnen die Freiheit nahm.
Und auch im eigenen Leben
gab es später vielleicht Mauern:
Hindernisse, die den Blick nach vorn versperrten.
Grenzen, die andere gesetzt haben –
oder die sich einfach nicht überwinden ließen.
70Jahre
Gnadenkonfirmationkonfirmiert 1956
Und 1956, als Sie, liebe Gnadenjubilarinnen und Gnadenjubilare,
konfirmiert wurden,
war die Bundesrepublik im Aufschwung.
Es fehlten Arbeitskräfte,
und die ersten Gastarbeiter kamen aus Italien.
Mit ihnen kamen neue Lebensgewohnheiten.
Eisdielen und Pizzerien eröffneten.
Ein anderes Lebensgefühl hielt Einzug.
Doch im eigenen Leben
war längst nicht alles im Aufbruch.
Gerade auf dem Land
bestimmten Traditionen und familiäre Erwartungen
oft noch den Alltag.
Manche mussten das Geschäft der Eltern übernehmen.
Und besonders für Frauen
war es nicht immer leicht,
eigene Vorstellungen zu verwirklichen.
Vielleicht hat es manchmal Jahre gedauert,
bis Sie Ihren eigenen Weg gehen konnten –
und bis sich auch in Ihnen etwas verändert hatte,
während sich draußen die Zeiten wandelten.
75Jahre
Kronjuwelenkonfirmationkonfirmiert 1951
Und Sie, der heute Kronjuwelenkonfirmation feiert
und 1951 konfirmiert wurde,
sind in einer Zeit aufgewachsen,
in der Arbeit und Pflichten den Alltag prägten.
Umso wertvoller waren Menschen,
die nicht nur mit anpackten,
sondern auch Zeit und Zuwendung schenkten.
Und Sie, liebe Gemeinde,
die heute kein Konfirmationsjubiläum feiern,
kennen Sie solche Fragen:
Was hat mich auf meinem Weg getragen?
Wo habe ich Kraft gefunden?
Und worauf darf ich für das vertrauen,
was noch vor mir liegt?
Jubelkonfirmation feiern –
das heißt auch,
dem eigenen Leben noch einmal zu begegnen.
Mit dem, was geworden ist.
Mit dem, was anders kam als gedacht.
Mit Wegen, die sich geöffnet haben,
und mit Grenzen, an die man gestoßen ist.
Manches ist gelungen.
Manches ist bis heute nicht einfach.
Und manches können wir heute vielleicht anders sehen
als damals, als wir vor dem Altar standen.
Das Leben lässt sich nicht immer so gestalten,
wie wir es uns wünschen.
Aber wir können zurückschauen
und entdecken, was uns geprägt,
was uns getragen
und was uns Kraft gegeben hat.
Und beim Rückblick kann es sein,
dass wir merken:
Wir haben nicht alles aus eigener Kraft geschafft.
Es gab Zeiten,
in denen uns Kraft zugewachsen ist.
Menschen waren an unserer Seite,
als wir sie gebraucht haben.
Und vielleicht finden wir darin
auch Spuren von Gottes Begleitung.
Der Psalm sagt es so:
„Der Herr ist meine Stärke und mein Schild,
auf ihn hofft mein Herz,
und mir ist geholfen.“
Diese Worte sollen Sie heute begleiten.
Vielleicht entdecken Sie darin
etwas von dem, was Sie in Ihrem Leben getragen hat.
Vielleicht werden sie gerade jetzt
zu einer Ermutigung für den Weg,
der noch vor Ihnen liegt.
Denn dieser Psalm gehört nicht nur
zu unserer Vergangenheit.
Er ist auch eine Hoffnungsmitgabe
für das Hier und Morgen.
Vielleicht haben Sie auf dem Liedblatt auf dem Bild
die Überschrift „Für das Hier und Morgen“ entdeckt.
Genau darum geht es auch bei unserer Jubelkonfirmation.
Nicht nur darum, zurückzuschauen,
sondern auch darum,
mit Zuversicht nach vorn zu blicken.
Für das Hier und Morgen
Das heißt für Sie, liebe silberne Jubilare:
Sie stehen mitten im Leben,
mit Beruf, Familie und viel Verantwortung.
Vieles haben Sie schon erlebt,
und vieles liegt noch vor Ihnen.
Gott ist Ihre Stärke
für das, was kommt.
Sie müssen nicht alles allein tragen.
Für Sie, liebe goldene Jubilare:
Sie haben viel aufgebaut
und Verantwortung getragen.
Jetzt darf die Frage wichtiger werden:
Was ist mir in Zukunft wichtig?
Wofür möchte ich meine Kraft einsetzen?
Gott ist Ihr Schild,
wenn Sie Neues wagen.
Und Ihr Herz darf zuversichtlich sein,
dass noch viel Schönes auf Sie wartet.
Für Sie, liebe diamantene Jubilare:
Sie haben viele Jahre gelebt,
mit allem, was dazugehört:
Freude und Dankbarkeit,
Veränderungen und Abschiede.
Vielleicht ist gerade deshalb
jeder neue Tag etwas Kostbares.
Bleiben Sie offen für das,
was Ihnen Freude macht
und Ihr Leben bereichert.
Gott ist Ihre Stärke und Ihr Schild –
auch auf dem Weg, der vor Ihnen liegt.
Für Sie, liebe eiserne Jubilare:
Sie haben vieles durchgestanden
und Ihren Weg gefunden.
Sie wissen, was es heißt,
Kraft aufzubringen.
Aber auch wer lange stark war,
darf sich anlehnen.
Gott ist Ihre Stärke,
wenn die eigene Kraft nachlässt.
Sie müssen nicht alles allein tragen.
Für Sie, liebe Gnadenjubilare:
Sie haben viel erlebt
und lange Verantwortung getragen.
Sie müssen nichts mehr beweisen.
Und Gottes Zuwendung müssen Sie sich
nicht verdienen.
Ihr Wert hängt nicht davon ab,
was Sie noch leisten können.
Jeder neue Morgen ist ein Geschenk.
Und für Sie, lieber Kronjuwelenjubilar:
Bald neun Jahrzehnte liegen hinter Ihnen.
Sie haben viel erlebt
und Ihren eigenen Weg durch die Zeit gefunden.
Der Gott, der Sie bis hierher begleitet hat,
möge Ihnen auch weiterhin nahe sein
und Sie behüten.
„Auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen.“
Mir ist geholfen. Nicht, weil immer alles gut wird.
Sondern weil ich darauf vertrauen darf:
Gott bleibt an meiner Seite.
Gestern, heute und morgen.
Auf dem Weg, den ich gegangen bin.
Und auf dem Weg, der noch vor mir liegt.
Gott ist meine Stärke und mein Schild.
Amen.
Pfarrer Thomas Volk
3. Pfarrstelle · Schwerpunkt Konfirmanden- und Jugendarbeit