Die beiden Perlen der Liebe“ - 1.Johannes 4,16b
1. Was für ein besonderer Tag
Liebe Jugendliche!
Was für ein besonderer Tag.
Nicht nur für diese Kirche.
Nicht nur für eure Familien.
Sondern für euch.
Ich halte heute zwei Perlen in der Hand.
Zwei kleine rote Perlen.
Ihr kennt sie.
Ihr habt sie gesehen.
Aber wir haben sie im Konfi-Kurs nicht erklärt.
Wir haben sie aufgehoben.
Für heute.
Für euren Konfirmationstag.
Gestern Abend haben wir mit dem Armband das Vaterunser gebetet.
Perle für Perle.
Schritt für Schritt.
Diese beiden roten Perlen stehen für etwas,
das ihr im Leben immer brauchen werdet.
Mehr als Erfolg.
Mehr als Likes.
Mehr als alles, was ihr besitzen könnt.
Sie stehen für die Liebe.
2. Die Perle - ein Bild für euren Weg
Habt ihr gewusst?
Perlen entstehen nicht einfach so.
Sie wachsen.
In einer Muschel.
Ganz langsam.
Schicht für Schicht.
Ähnlich wie bei euch.
Ihr seid in den vergangenen neun Monaten gewachsen.
Nicht nur größer geworden.
Auch gewachsen an Erfahrungen.
An Begegnungen.
An Menschen, die euch begleitet haben.
Vielleicht auch
an mancher Enttäuschung.
Und wenn ich euch heute anschaue,
hier vorne im Kreis -
dann ist das ein schönes Zeichen:
Ihr seid nicht alleine.
Ihr seid verbunden.
Verbunden miteinander.
Verbunden mit euren Familien.
Mit euren Freundinnen und Freunden.
Mit euren Patinnen und Paten.
Und auch verbunden mit Gott.
Und wenn ich euch heute
mit eurer tollen Kleidung so ansehe,
dann wird mir und uns allen klar:
„Euer Weg geht weiter.
In eure Zukunft.
In eine, die ganz anders aussieht als die eurer Eltern.
In eine Welt, die digital ist.
Schnell. Vernetzt.
Und genau darum ist es so wichtig,
verbunden zu bleiben.
Mit Menschen. Und mit Gott.
3. Liebe braucht zwei
Und darum
sind es zwei Perlen.
Nicht eine.
Zwei.
Weil Liebe immer zwei braucht.
Ein Gegenüber.
Dafür stehen die „Perlen der Liebe“
Kennst du das Gefühl,
wenn dein Herz schneller schlägt,
wenn jemand den Raum betritt?
Wenn du rot wirst,
obwohl du gar nichts getan hast?
Wenn du plötzlich merkst,
dass du lächelst, ohne zu wissen warum?
Das alles ist Liebe.
Liebe ist keine Kleinigkeit.
Sie ist eine der mächtigsten Kräfte, die es gibt.
Sie kann Menschen verändern.
Sie kann Feinde zu Freunden machen.
Aber Liebe ist mehr als Schmetterlinge im Bauch.
Sie ist auch das, was dich aufstehen lässt,
wenn jemand in Not ist.
Das Mitgefühl, das dich bewegt,
wenn ein anderer Mensch leidet.
Die Liebe, die dir sagt:
„Das geht mich etwas an.“
Die Bibel sagt: Gott ist Liebe.
Nicht: Gott hat Liebe.
Nicht: Gott mag Liebe.
Sondern: Gott ist Liebe.
Sie ist sein Wesen,
sein Erkennungszeichen -
und vielleicht auch deines.
Für Gott gilt auch
Liebe bleibt nie allein.
Darum sind es zwei Perlen.
Eine davon steht für Gott.
Die andere bist du.
4. Zwei Perlen: Gott und Du
Wenn jemand verliebt ist,
dann denkt er oder sie an nichts anderes,
als an diese eine Person.
So ist es auch mit Gott:
Gott denkt die ganze Zeit an dich.
Gott ist Liebe.
Das heißt:
Wo Liebe geschieht,
da ist Gott nicht fern.
Wenn jemand dich tröstet,
wenn jemand dir zuhört,
wenn jemand bei dir bleibt,
obwohl es schwer wird -
dann ist da etwas von Gottes Liebe.
Und auch umgekehrt:
Wenn du für jemanden da bist,
wenn du Mut machst,
wenn du nicht weggehst,
sondern bleibst -
dann wirkt Gottes Liebe durch dich.
So hat es auch Jesus gelebt.
Er hat Menschen gesehen.
Er hat sie nicht allein gelassen.
Und genau das verspricht Gott dir:
Ich bleibe bei dir.
Heute.
Auch morgen, wenn dein großes Fest vorbei ist.
An allen Tagen, die kommen.
Du bist verbunden.
Mit Gott.
Wie zwei Perlen,
die zusammengehören.
5. Ich und Du – Menschen brauchen ein Gegenüber
Diese beiden Perlen stehen nicht nur
für Gott und dich.
Auch für dich
und jemand anderes.
Du lebst ja nicht alleine auf der Welt.
Du hast immer ein gegenüber.
Jemand,
mit dem du reden kannst.
Nicht nur schreiben.
Nicht nur posten.
Sondern reden.
Vielleicht kennt ihr dieses Lied
von den beiden Deutsch-Rap-Newcomern Zah1de und benno.
Darin kommt immer wieder
ein einziges Wort vor:
„Rede!“
Zah1de singt zu Benno: „Benno, Rede. Rede. Rede.“
Immer wieder.
Das haben wir im Konfi Kurs
immer wieder gemacht.
Geredet
Nachgefragt.
Am Schluss von jedem Konfi-Samstag, bei unserem Blitzlicht: „Eigene Gedanken mitgeteilt.“
Gar nicht so leicht für manche.
Ich freue mich so,
dass einige von euch
gesagt haben:
Ich will bei den Konfi Samstagen weitermachen.
Sieben von euch
möchten Konfi-Teamer werden.
Das heißt:
Ihr sagt damit auch:
Ich will auf andere zugehen.
Ich will reden.
Ich will für andere da sein.
Auch dann,
wenn es manchmal Mut kostet.
Und genau darum geht es beim „Reden“
Du musst nicht perfekt sein.
Du musst nicht immer die richtigen Worte finden.
Du brauchst nur etwas den Mut,
auf jemanden zuzugehen.
Auch auf Gott zugehen,
mit ihm reden, beten,
Sachen hinwerfen, die du nicht verstehst
Sonst verlierst du den Kontakt.
Manchmal gelingt das gut.
Manchmal aber auch nicht.
Und genau darüber
bin ich neulich
auf eine Geschichte gestoßen,
die mich sehr nachdenklich gemacht hat.
Diese Geschichte muss ich unbedingt euren Eltern erzählen:
6. Liebe zeigt sich dass jemand gesehen wird
Liebe Eltern,
ich bin neulich auf Instagram auf einen Post gestoßen,
der mich nachdenklich gemacht hat.
Es gibt dort eine Challenge,
die heißt: „Ich beichte.“
Da schreiben Menschen öffentlich,
was sie selbst erlebt haben.
Ein junger Mann,
etwa 18 Jahre alt,
hat dort geschrieben.
Ich beichte:
„Mein Vater ist so streng,
dass ich manchmal ganz bewusst Dinge verstecke,
die er braucht.
Zum Beispiel sein Handy.
Damit ich es dann finde.
Und er mich lobt.
Damit ich einmal etwas Gutes von ihm höre.“
Liebe Eltern, liebe Familien,
als ich das gelesen habe,
hat mich das traurig gemacht.
Da war ein junger Mensch,
der sich nichts sehnlicher gewünscht hat
als ein gutes Wort.
Ein Lob.
Ein Zeichen:
Du bist mir wichtig.
Und ich habe gedacht:
Wie stark muss dieser Wunsch sein,
gesehen zu werden.
Wahrgenommen, nicht übersehen zu werden.
Liebe Jugendliche!
Vielleicht hat euch diese Geschichte berührt.
Mich hat sie sehr beschäftigt.
Weil sie zeigt,
wie sehr wir Menschen uns danach sehnen,
gesehen zu werden.
Wirklich gesehen zu werden
Ich wünsche euch,
dass ihr euren Weg niemals allein gehen müsst.
Dass ihr Menschen habt,
die euch wahrnehmen.
Die euch sehen.
Die euch ernst nehmen.
Und dass ihr selbst solche Menschen werdet.
Aber eines ist mir heute besonders wichtig:
Dass ihr euch nicht zurückzieht,
wenn ihr euch einmal nicht gesehen fühlt.
Nicht hinter einem Bildschirm.
Nicht hinter Worten.
Nicht hinter Schweigen.
Sondern dass ihr euch aufmacht.
In euer Leben.
In eure Zukunft.
Mit Gottes Segen.
7. Konfirmation - Mit Gottes Segen in die Zukunft gehen.
Und genau darum geht es heute:
Mit Gottes Segen
in die Zukunft gehen.
Aber wie wird deine Zukunft aussehen?
Hast du schon mal Gedanken gemacht,
wie deine Zukunft aussehen könnte?
Gerade jetzt, wo du so schicke Sachen anhast
und uns Erwachsenen deutlich:
Ihr seid die Macher von morgen.
Wird deine Zukunft digital sein?
Ja - ganz sicher.
Wird sie schnell sein?
Ja - wahrscheinlich schneller als alles bisher.
Aber ich frage mich auch:
Wird sie nur digital sein?
Wirst du nur posten - oder auch reden?
Nur liken - oder auch zuhören?
Manchmal denke ich:
Künstliche Intelligenz
kann heute schon viel.
Sie kann Texte schreiben.
Bilder erstellen.
KI kann sogar Lieder schreiben.
Vielleicht sogar dein Lied.
Aber eines kann sie nicht:
Sie wird dieses Lied nie fühlen.
Sie wird nie bei einem Pop Konzert
vor oder auf der Bühne stehen,
mitten unter Menschen,
die Hände in der Luft -
und laut rufen:
„Ich bin für alles bereit!“
Sie wird nie Gänsehaut bekommen.
Nie mitlachen.
Nie mitweinen.
Und weißt du - deshalb glaube ich:
Vielleicht ist es gar nicht so schlecht.
Vielleicht ist es irgendwie gut.
Denn das,
was uns am Ende ausmacht,
kann keine Maschine ersetzen:
Zusammenhalt. Empathie. Gefühle.
Freude. Liebe. Zärtlichkeit.
Aber auch: Einsamkeit. Enttäuschung.
Alles,
was uns zu Menschen macht.
Und genau das
nehmt ihr mit in eure Zukunft.
Nicht nur Wissen.
Nicht nur Technik.
Sondern auch euer Herz.
Menschen an eurer Seite.
Und Gott an eurer Seite.
8. Sendung: Mach dich auf deinen Weg auf
Diese beiden roten Perlen
haben uns heute begleitet.
Zwei kleine Perlen
Und doch erzählen sie eine große Geschichte.
Eine Geschichte von Verbindung.
Von Gott und dir.
Und von dir und anderen Menschen.
Von Liebe, die wächst.
Von Liebe, die verbindet.
Und von Liebe, die euch in die Zukunft begleitet.
Darum lege ich diese beiden Perlen
jetzt in diese Schale.
Als Zeichen dafür:
Ihr seid verbunden.
Mit Menschen, die euch begleiten.
Und mit Gott, der euch liebt.
Ein Gott, der die Liebe ist und spricht:
Ich bin bei dir.
Heute. Und morgen.
Und an allen Tagen.
Und so geht ihr jetzt in eure Zukunft.
Nicht allein.
Sondern verbunden.
Wie zwei Perlen, die zusammengehören.
Amen.