Pfarrerin Christel Mebert

Mebert Christel Pfarrerin 1b
 
Pfarrerin Christel Mebert
2011-2016 Pfarrstelle III.
Sprengel Bad Bocklet
Mitarbeit in der Kur- und Rehaseelsorge
2016-2021 Pfarrstelle I.
Sprengel Bad Kissingen 1
Pfarramtsverwaltung
Mitarbeit in der Gästeseelsorge
 
21. Februar 2016 - Erlöserkirche Bad Kissingen
Gottesdienst mit Einführung von Pfarrerin Christel Mebert

Mit Durchsetzungsvermögen und Fingerspitzengefühl

Christel Mebert:erste Pfarrerin auf der Ersten Pfarrstelle Bad Kissingen

Bad Kissingen, So., 21. Februar 2016. „Schon wieder Bad Kissingen!“ mag sich Dekan Oliver Bruckmann insgeheim gedacht haben. Nein, er hat es laut vor versammelter Gemeinde in der Erlöserkirche gesagt: In seinen inzwischen zehn Dienstjahren im Dekanat Schweinfurt habe er neun Mal nur mit Einführungen und Verabschiedungen in der berühmten Kurstadt zu tun gehabt.
 
Er plane schon, feste Tage einzurichten, um künftig gleich mehrere solcher Großereignisse zusammenzufassen. Denn Bad Kissingen hat nicht nur drei Pfarrstellen, die – laut Dekan – „wie in einem Karussell besetzt werden“, sondern auch eine Krankenhaus-Seelsorgestelle und einen Diakonenposten, deren Neubesetzung in Bälde ansteht. „Dynamik ist schön und gut, aber Stabilität auch.“
 
Zurzeit ist außerdem nach nicht einmal fünf Jahren die III. Pfarrstelle wieder vakant, denn Pfarrerin Christel Mebert hat sich erfolgreich auf die Erste beworben, die ihr nun mit Wirkung vom 1. Februar „mit allen Rechten und Pflichten übertragen“ wurde. Jedenfalls zeigte sich der Kirchenvorstand erleichtert, dass nach gut einem Jahr, nach Pfr. Jochen Wildes Verabschiedung und Weggang nach München am Neujahrstag 2015, die Gemeindeleitung, die Pfrin. Mebert derweil kommissarisch inne hatte, in festen – eben in schon bewährten – Händen liegt.
 
Damit steht zum ersten Mal in der Kirchengeschichte Bad Kissingens eine Frau der Großgemeinde vor, quasi eine Kapitänin. In seiner Einführungsansprache bezeichnete der Dekan Frau Mebert als „eine weltoffene Theologin, die zielführend moderieren“ und „ein wirklich großes Team mit Durchsetzungsvermögen und Fingerspitzengefühl führen kann“.
 
Er nannte eine schier nicht enden wollende Aufgabenpalette, unter vielem anderen: Touristenseelsorge, Netzwerkarbeit, Förderung des ökumenischen Dialoges, Kooperation mit der Diakonie, Erwachsenenbildung, Achten auf eine besonders hohe Qualität der Gottesdienste, umfangreiche Leitungsaufgaben und die Versorgung eines großen Sprengels von fast 2000 Gemeindegliedern. Bruckmann schloss mit dem Mutmachwort: „Wir trauen es Ihnen zu und bitten Gott um seinen Segen“.
 
Wie in Bad Kissingen gewohnt und großgeschrieben, trug der Gottesdienst eine stark musikalische Note. Geprägt von der Handschrift des Kirchenmusikdirektors Jörg Wöltche, kamen verschiedene Stile zu Gehör.
 
Beginnend mit dem New-Gospel-Chorsatz der KisSingers „What a day, Halleluja“ beim Einzug der Geistlichen und des KV, gefolgt von „Let me fly“ des Jugendgospelchors PraiSing bis zur Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ (BWV 51) mit dem Kammerorchester Bad Kissingen; herausragend hier die lyrische Sopranstimme von Ilse Fenger und die sog. Bach-(Piccolo-)Trompete von Bernhard Kimmel mit präziser Intonation.
 
Nach ihrer Einführung und Segnung predigte Pfarrerin Mebert über eben dieses Werk, das aber, wie sämtliche mehr als 300 Bachschen Kantaten, selber predige und dem Schöpfer die Ehre gebe. Zwar habe der Komponist „Jauchzet Gott in allen Landen“ für den 15. Sonntag nach Trinitatis 1730 geschrieben, aber mit der Bemerkung versehen, dass man sie „zu jeder Zeit musizieren“ könne.
 
Gekonnt kombinierte Mebert den Text mit dem Evangelium des Tages aus Jesu Bergpredigt „Sorget nicht um euer Leben ...“ (Matthäus 6,25): Dieser Zuspruch könne nur dem gelten, der Sorgen habe. Bleibt uns nicht oft genug das Lob Gottes im Halse stecken? Dies gelte sowohl im Blick auf ganz persönliche Sorgen, etwa wenn sich Heilungserfolge nicht so schnell einstellten, als auch hinsichtlich der Weltkrisen, beispielsweise wenn im Iran dieses Bekenntnis zu Gott, öffentlich geäußert, das Todesurteil nach sich ziehe. Doch – so Mebert weiter – wenn wir auf Gottes fürsorgenden Beistand vertrauten, gewännen Sorgen nicht die Oberhand „Es gibt auch ein Lob in sorgenvollen Zeiten, ein Lob aus der Tiefe.“
 
Sie schloss mit bewährtem Luther-Zitat: „Es versuche nur jemand und greife zum Lobe Gottes, wenn ihm nicht wohl zumute ist, und er wird alsbald eine Erleichterung empfinden.“
 
An den Gottesdienst schlossen sich einige Grußworte für die „erste Geleiterin“ der Kirchengemeinde an, darunter von Thorn Plöger im Namen des Kirchenvorstandes: „Die Gemeinde wird viel erwarten, aber dich auch unterstützen“; bekanntlich wohne jedem Anfang ein Zauber inne.
 
Pfarrerin Susanne Rosa bekundete für das Pfarrkapitel ihre Dankbarkeit, „dass du uns erhalten bleibst“, und wünschte ihrer Kollegin viel Kraft für die vor ihr liegenden Aufgaben.
 
Kaplan Paul Reder richtete Grüße von der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde und der Pfarreiengemeinschaft „Jesus – Quelle des Lebens“ aus: „Es ist gut, dass wir dich an der Seite haben“, und Bad Kissingens Oberbürgermeister, zugleich KV-Mitglied Kay Blankenburg ließ die „Tour de Franken“, nämlich die bisherigen Dienstorte der Pfarrerin, Revue passieren: Aschaffenburg – Erlangen – Coburg - „und jetzt der krönende Höhepunkt“. „Wir brauchen eine starke evangelische Kirche als selbstbewusste Partnerin in gelebter Ökumene.“
 
Nach dem Dankeswort der Pfarrerin bildete sich eine schier nicht enden wollende Schlange derer, die ihr persönlich die Hand schütteln und den Imbiss im Chorraum erreichen wollten.
 
Veröffentlicht von Siegfried Bergler am So, 21.02.2016 21:15
 
 
Hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Erste Pfarrerin:
die evangelische Erlöserkirchengemeinde

Durch und durch Pfarrer: Ehepaar Christel und Friedrich Mebert

 
Windiger Einzug: vorn Stellvertretender KV-Vertrauensmann Klaus Lotter u.
Andreas Mebert, dahinter Pfrin. Christel Mebert u. Dekan Oliver Bruckmann
 
Dekan Bruckmann bei seiner Laudatio auf Christel Mebert
 
 
Bild 6 Verpflichtung und Segnung der Pfarrerin durch Dekan Bruckmann,
assistiert von Klaus Lotter, Sohn Anrdeas Mebert u.
(mit dem Rücken zur Kamera) der kath. Gemeindereferentin Ursula Summa
(Foto: Peter Klopf)

Christel Mebert: "Jauchzet Gott in allen Landen" - hier von der Kanzel herab

 
Anschließend die Aufführung der Bach-Kantate durch KMD Jörg Wöltche
mit Sopranistin Ilse Fenger (Foto: Peter Klopf)
 
 
Beim Fürbittengebet (v.l.): Pfr. Friedrich Mebert, Pfr. Philipp Klein,
Pfr. Wolfgang Ott u. Pfrin. Christel Mebert

Persönliche Worte an die Pfarrerin von Bad Kissingens OB Kay Blankenburg

 
Pfrin. Susanne Rosa (Mitte) gab ihrer Kollegin im Namen des Pfarrkapitels
gute Worte mit; rechts Pfr. u. Diakoniewerk-Vorstand Jochen Keßler-Rosa
"Let me fly": Der Jugendgospelchor PraiSing blieb aber bodenständig
(Foto: Peter Klopf)
Am Ende: Dankesworte der eingeführten Pfarrerin
(Foto: Peter Klopf)
Klinikseelsorger Wolfgang Ott gratuliert seiner Kollegin
 
Beide haben noch länger miteinander zu tun: Glückwünsche
auch von Mesner Hans Welmann
 
Planen offenbar schon das nächste Großereignis: KMD Jörg Wöltche (r.)
mit Bernhard Kimmel, der mit seiner Bachtrompete brillierte
 
 
 
Dienstag, 9. August 2016 - Mainpost
Was bewegt eine Frau dazu, Pfarrerin zu werden?
Frauenring-Gesprächsrunde mit Christel Mebert

Bad Kissingen

(hz) "Seit diesem Jahr ist Pfarrerin Christel Mebert die erste Frau, die als Pfarramtsführerin der evangelischen Gemeinde der Stadt Bad Kissingen vorsteht", sagte Frauenrings-Vorsitzende Birgit Fischer bei ihrer Begrüßung - Grund genug für den Bad Kissinger Frauenring, mehr zu erfahren über ihren Werdegang, ihre Schwerpunkte und die Erwartungen, die Christel Mebert in dieses Amt setzt.

Deshalb hatte der Ortsring die Pfarrerin zu einem "Women's date" eingeladen, zu einer Gesprächsrunde mit Birgit Fischer und Barbara Thiele, die viele Fragen vorbereitet hatten - und auch zahleiche interessierte Mitglieder und Gäste waren in das Kaminzimmer des Hotel Wyndham Garden gekommen.

"Ich wuchs in einer selbstbewussten Minderheit heran, als Grenzbayerin in Aschaffenburg", antwortete Mebert, als Fischer nach ihrem Werdegang fragte: "Wir waren eine der ersten evangelischen Familien in Kleinostheim, und im Jahr meiner Geburt, 1954, wurde auch der Grundstein zum Bau der evangelischen Kirche gelegt - dieses Ereignis hat wohl meinen Lebensweg geprägt."

Nach dem Abitur sei sie unschlüssig gewesen, was sie studieren sollte, so die Pfarrerin. Irgendetwas aus dem Bereich der Theologie sollte es sein, doch das Erlernen der Alten Sprachen wie Hebräisch und Griechisch sei für sie abschreckend gewesen. Außerdem habe es in Bayern damals noch keine Pfarrerinnen gegeben, erklärte Mebert. Schließlich habe sie sich doch überzeugen lassen, das Theologie-Studium zu wagen, das sie nach Erlangen, Tübingen und Göttingen führte.

Im letzten Studienjahr lernte sie ihren späteren Ehemann Friedrich Mebert kennen. "Ich habe immer große Körbe dabei, deshalb fiel ich ihm schon an der Uni auf", erzählte sie. Gemeinsam haben sie ihr erstes Examen abgelegt und im Dekanat Coburg das Vikariat absolviert. Der ehemalige Regionalbischof von Bayreuth, Wilfried Beyhl, habe sie als Mentor begleitet. In Coburg haben die Meberts geheiratet und dort wurden auch die vier inzwischen erwachsenen Kinder geboren.

Jahre auf dem Dorf

"Sie haben Ihre Kinder gemeinsam aufgezogen und gleichzeitig gearbeitet", fragte Barbara Thiele, "wie gut lässt sich dies mit dem Beruf einer Pfarrerin verbinden?" Ihr Wunsch sei immer eine Pfarrstelle auf dem Land gewesen, irgendwo in Unterfranken, erzählte Mebert. "Als wir dann in Aubstadt bei Bad Königshofen gelandet sind, waren wir ziemlich entsetzt."

Es sei dort eine "Idylle pur" gewesen. 12 Jahre lang hatte sie die dortige Pfarrstelle gemeinsam mit ihrem Mann ausgefüllt, "da konnten wir Schwerpunkte setzen, und es blieb auch genügend Zeit für die Kinder, die alle auf dem Dorf aufgewachsen sind." Es folgten fünf Jahre in Karlstadt, dann der Wechsel nach Höllrich. 2011 kam Christel Mebert als Pfarrerin nach Bad Kissingen und die südliche Rhön. Birgit Fischer wollte wissen, was Mebert besonders an ihrem Beruf schätze. "Die Aufgaben einer Pfarrerin sind äußerst vielfältig, selten gibt es eine Tätigkeit, bei der man Menschen so lange begleitet", erklärte Mebert, "und unsere Ortswechsel konnten wir immer selbst bestimmen." Ihre Kinder hätten zwar oft gemault, wenn sie ihren Wohnort verließen - sie hätten ihren guten Freunden nachgetrauert, aber dann immer neue Freunde gefunden.

"Was hat Sie 2011 dazu bewogen, sich für die Pfarrstelle in Bad Bocklet zu bewerben und dann schließlich für die 1. Pfarrstelle in Bad Kissingen?", fragte die Frauenrings-Vorsitzende. "Ich wusste, dass dies hier etwas ganz Anderes ist", so Mebert, "der Sprengel reicht von Hausen bis Premich - und da es in letzter Zeit in Bad Kissingen sehr viele Wechsel gab, war mir klar, dass, wenn jemand neu hierherkommen würde, er diese Weite nicht kennen kann." Deshalb habe sie sich schließlich mit ihrer Erfahrung um die Stelle als Pfarramtsführerin beworben, und der Kirchenvorstand habe sich für sie entschieden.

"Mit Ihnen wurde erstmals eine Frau auf die erste Pfarrstelle in Bad Kissingen berufen", so Thiele - als Katholikin könne man da nur neidvoll auf die Stellung der Frau in der evangelischen Kirche schauen. Mebert antwortete, indem sie auf die geschichtliche Entwicklung in der evangelischen Kirche zurückblickte: Seit 1919 konnten Frauen Theologie studieren, das Examen absolvieren, doch kein Amt bekleiden. Erst in den Kriegszeiten habe der Mangel an kirchlichen Mitarbeitern dazu geführt, dass die Kirche auf die Theologinnen nicht mehr verzichten konnte. Erst seit 1996 seien die Frauen in der Kirche wirklich gleichberechtigt.

 
7. Mai 2011
Johanneskirche Bad Bocklet
Gottesdienst mit Einführung von
Pfarrerin Christel Mebert
 
Gelöste Atmosphäre vor dem Aufzug (v.l.): Pfrin. Christel Mebert,
Pfr. Jochen Wilde, Pfr. Friedrich Mebert u. Dekan Oliver Bruckmann
 
Einzug der Geistlichen: In der 2. Reihe die Prädikanten Christa Roth
und Hans Scholz, dahinter die Bad KissingerPfarrer Markus Vaupel,
Jochen Wilde, Philipp Klein und Claudia Weingärtler
 
Einführung von Pfarrerin Christel Mebert
 
Die gute Hirtin vom Südhang der Rhön - installiert!
 
Bad Bocklet, 7. Mai 2011. Bad Bocklet lässt sich ganz unterschiedlich charakterisieren: kleinstes Staatsbad Bayerns, am Südhang der Rhön gelegen, wobei angeblich „Rhöner Herzen schwer zu gewinnen“ sein sollen (so Bürgermeister Bug; s. u.); ganz im Norden des Dekanates Schweinfurt befindlich, Diasporagebiet, Teil einer der größten Kirchengemeinden Bayerns mit insgesamt 8000 Evangelischen und jährlich 5000 Kurgästen.

Nun ist die fast zweijährige Vakanzzeit in der Großgemeinde Bad Kissingen endlich vorüber und Pfrin. Christel Mebert mit Wirkung vom 1. Mai 2011 Seelsorgerin auf der III. Pfarrstelle mit Schwerpunkt Bad Bocklet.
Der Installationsgottesdienst in der Johanneskirche fand an einem Samstagnachmittag statt – mit nur geringer Kolleginnen- und Kollegen-Präsenz aus dem Dekanat, dafür mit vielen treuen Gemeindegliedern der Pfarrerin aus ihren vorherigen Stellen in Aubstadt und Höllrich (samt Heßdorf und Weickersgrüben)/DB Lohr a.M., wo sie auch als stellvertretende Dekanin und Seniorin fungierte.

In seiner Begrüßung erinnerte Pfarramtsführer Jochen Wilde noch einmal daran, dass bereits am 27. September 2009  ihr Vorgänger, Pfr. Jürgen Metschl, verabschiedet worden war (s. hier den Bericht). Von daher freute sich besonders Dekan Oliver Bruckmann, Frau Mebert als „eine Verstärkung mit ihren vielen Gaben“ vorstellen zu dürfen.
Seiner Ansprache legte er den Herrnhuter Lehrtext vom Tage zugrunde: „Lasst uns aufeinander Acht haben“ (Hebräerbrief 10,24). Er bezog ihn auf die Seelsorge- und vielfältigen Gemeindeaufgaben der Pfarrerin: da zu sein für die Kerngemeinde, die Kurgäste, Reha-Patienten und Urlauber. „Es tut gut, wenn jemand ein offenes Ohr hat. Achtung füreinander sollte aber auch zur Selbstachtung führen.“

Natürlich bejahte Pfrin. Mebert anschließend die Frage des Dekans nach ihrer Bereitschaft, den Dienst einer Pfarrerin in Bad Kissingen/Bad Bocklet zu übernehmen, und wurde von ihm, mit Assistentenhilfe, unter Handauflegung in ihr Amt eingesegnet.

Ins Zentrum ihrer Predigt am Vortag zum „Gute-Hirten-Sonntag“ stellte die neue Pfarrerin das vermeintlich antiquierte biblische Bild vom Hirten, für sie „Urbild des Vertrauens“. Erst Jesus habe es neu mit Leben gefüllt und selber den Vertrauensgrund gelebt. Die Fürsorge dieses Hirten sei einzigartig, habe er doch sogar sein Leben dafür gegeben. „Er war mehr als nur ein Hirte!“ So seien auch wir in seiner Nachfolge aufgerufen, miteinander die Fülle des Lebens und das Vertrauen der Liebe zu leben. „Ein jeder darf für den anderen Hirte sein.“

Mit einem Hirten- und einem irischen Segenslied untermalten denn auch die Bockleter Singfoniker unter Leitung von Martina Faber die Verkündigung.

Den Auszug von Geistlichkeit und Kirchenvorstand stoppte draußen Ortsbürgermeister Wolfgang Back mit einem Willkommensgruß und der Einladung zur Feier im erst seit kurzem fertig gestellten Rathaus direkt neben der Kirche. Nun sei „das Seelenheil der Bevölkerung“ wieder „vollkommen abgedeckt“, betonte er stolz.
Grußworte sprachen unter anderem Bad Kissingens stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch, Bürgermeister Waldemar Bug von Markt Burkardroth, der katholische Kollege Pfr. Michael Kubatko/Pfarrei St. Laurentius und die stellvertretende Seniorin, Pfrin. Christhild Grafe, die die neue Pfarrerin als Bereicherung des Pfarrkapitels auf gut Englisch willkommen hieß: “Diversity creates dimension.“

Das letzte Wort gebührte der Neuen: „Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg.“ Man darf gespannt sein.
Veröffentlicht von Siegfried Bergler am Sa., 07.05.2011 00:00
 
 
Der Dekan vollzieht die Einführungshandlung
 
 
Antrittspredigt über den "guten Hirten" Jesus
 
 
Bad Bocklets Bürgermeister Wolfgang Back lässt es sich
nicht nehmen, der erste Gratulant zu sein.
 
 
Auch Burkhardroths Bürgermeister Waldemar Bug überreicht
der neuen Pfarrerin einen Blumenstrauß.
 
 
Traumlage bei Traumwetter:
die evang. Johanneskirche in Bad Bocket
 
 

14. April 2011 - Mainpost

Neugierig auf Bad Kissingen

Pfarrerin Christel Mebert tritt am 1. Mai ihren Dienst an

HÖLLRICH/Bad Kissingen

"Wer sich nicht bewegt, bleibt nicht beweglich", so lautet der Leitspruch von Pfarrerin Christel Mebert. Nach achteinhalb Jahren bewegt sich die Gemeindepfarrerin aus dem Pfarrhaus in Höllrich in Richtung Bad Kissingen, wo sie am 1. Mai die dritte Pfarrstelle mit Zuständigkeit für Bad Bocklet und die umliegenden Orte antritt. In ihrer bisherigen Gemeinde wurde sie am vergangenen Sonntag mit einem feierlichen Gottesdienst verabschiedet.

"Gehet hin in alle Welt - so habe ich mich immer gerne im Auftrag des Herrn bewegt, von Ort zu Ort, von Mensch zu Mensch", sagt Christel Mebert in ihrem Büro. Die meisten Bücher sind schon aus den Schränken und Regalen genommen und verpackt. "Wer sich nicht bewegt" - den Gedanken der Bewegung setzt die Pfarrerin in ihrem Berufsleben um, indem sie sich immer wieder auf neue Herausforderungen einlässt und neuen Menschen begegnet.

Neue Aufgaben

Einer neuen Aufgabe wird sich Pfarrerin Mebert an ihrer künftigen Stelle mit Sicherheit gegenübersehen. In Höllrich war sie für die Pfarrgemeinden Heßdorf, Höllrich und Weickersgrüben zuständig und hatte nur eine halbe Pfarrstelle inne. Die zweite Hälfte ihrer Arbeitszeit verbrachte sie in der Krankenhaus- und Altenheimseelsorge in Gemünden, Lohr und Hammelburg, um Menschen im letzten Lebensabschnitt oder bei Krankheit zu begleiten.

Darüber hinaus stand Christel Mebert als Notfallseelsorgerin zur Verfügung, war Mitglied des Dekanatsausschusses, seit 2009 Vertrauenspfarrerin des Dekanatskapitels und Stellvertreterin von Dekan Michael Wehrwein. 2002 kamen Christel und Friedrich Mebert, der ebenfalls evangelischer Pfarrer ist, mit den Kindern Katharina, Matthias, Magdalena und Andreas nach Höllrich.

Während sie die seelsorgerischen Aufgaben in den Kirchengemeinden, Kranken- und Senioreneinrichtungen übernahm, bekleidete ihr Ehemann eine 50-Prozent-Stelle im Schuldienst in Hammelburg. Dieser Aufgabe wird er auch nach dem Wohnortwechsel nach Bad Kissingen weiter nachgehen. In den Gemeinden hat Friedrich Mebert die Kinder- und Konfirmandenarbeit begleitet, Ausflüge organisiert und sie bei der Konfirmation zum ersten Mal an den Tisch des Herrn geführt.

Nur ein kleiner Schritt?

"Von Höllrich nach Bad Kissingen ist es scheinbar nur ein kleiner Schritt, wenigstens, was die Entfernung betrifft", meint Christel Mebert nachdenklich. Lediglich 31 Kilometer liegen zwischen den beiden Orten. Die Grenze ihres jetzigen und die des künftigen Dekanatsbezirks berühren sich in der Nähe der A 7 sogar. Doch stehen viele Fragezeichen hinter dem, was die künftige Pfarrerin von Bad Kissingen erwartet. "Jede Stelle hat ihren Reiz und jede Zeit hat ihren Reiz", sagt sie. "Ich bin neugierig darauf, die Gemeinde Bad Kissingen mit ihrem besonderen Profil zu entdecken und neuen Menschen zu begegnen."

"Das ist ganz normal", sagt die Pfarrerin zum Wechsel in eine andere Gemeinde nach achteinhalb Jahren. Zwölf Jahren in Aubstadt im Dekanatsbezirk Bad Neustadt, wo sich das Pfarrersehepaar eine Stelle teilen musste, folgten fünf Jahre in Karlstadt, bevor der Wechsel nach Höllrich anstand. Die kommenden neun Jahre bis zum Ruhestand werden Bad Kissingen und die südliche Rhön der Arbeitsbereich und die Heimat auf Zeit der beiden Pfarrer werden.

"Viel Gutes und Schönes, Schweres und Trauriges" hat sie in ihrer Höllricher Zeit erlebt. In Zahlen: "62 Taufen, 54 Konfirmanden, 18 Hochzeiten und 71 Beerdigungen - unzählige Gottesdienste, Ausflüge und Treffen mit Senioren, fruchtbares ökumenisches Miteinander, Vereinsfeste, Einweihungen, Gespräche, Ringen um Entscheidungen, manches Mal hartes Arbeiten in Gremien, aber auch gelingendes Planen und Vollbringen", bleiben in Erinnerung an die Zeit als Pfarrerin in Heßdorf, Höllrich und Weickersgrüben, mit ihren jetzt noch 510 evangelischen Christen.

Christel Mebert

Die 1954 in Aschaffenburg geborene Unterfränkin Christel Mebert wuchs in einer der ersten evangelischen Familien in Kleinostheim auf. In dem Ort wurde im Jahr ihrer Geburt der Grundstein zum Bau einer evangelischen Kirche gelegt. Dieses Ereignis hat Christel Mebert selbst und ihren Lebensweg eindeutig geprägt.

Das Studium der Theologie führte sie nach Erlangen, Tübingen und Göttingen. Diese Zeit nutzte Mebert, um einerseits Theologie als Wissenschaft zu begreifen, andererseits, um dem "Abenteuer Spiritualität" nachzuspüren. Im letzten Studienjahr lernte sie ihren späteren Ehemann Friedrich kennen. Gemeinsam haben sie ihr erstes Examen abgelegt und im Dekanat Coburg das Vikariat absolviert.

Auf dem Weg ins Pfarrerinnenleben begleitete sie der ehemalige Regionalbischof von Bayreuth, Wilfried Beyhl, als Mentor. In Coburg haben die Meberts geheiratet und dort wurden auch die vier inzwischen erwachsenen Kinder geboren.

 
Sonntag, 10. April 2011
Ev. Kirche Heßdorf
Verabschiedung von Pfarrerin Christel Mebert
 
Abschied von der Pfarrerin: Christel Mebert predigte zum letzten Mal von der Heßdörfer Kanzel. Sie wird den Dienst in Bad Kissingen am 1. Mai antreten. Offiziell wird sie am 7. Mai um 15.30 Uhr in Bad Bocklet eingeführt. Foto: Herbert Hausmann
 
HESSDORF - Eine große Lücke tut sich auf

Abschied von der Pfarrerin: Christel Mebert predigte zum letzten Mal von der Heßdörfer Kanzel. Sie wird den Dienst in Bad Kissingen am 1. Mai antreten. Offiziell wird sie am 7. Mai um 15.30 Uhr in Bad Bocklet eingeführt.

Zum letzten Mal predigte Pfarrerin Christel Mebert am Sonntagnachmittag in Heßdorf. Während des mehr als zweieinhalb Stunden dauernden Abschiedsgottesdienstes entband Dekan Michael Wehrwein sie von ihren Aufgaben als Pfarrerin für Heßdorf, Höllrich und Weickersgrüben. Christel Mebert wechselt nach Bad Kissingen.

„Gemeinsam waren wir auf dem Weg“, dankte Dekan Wehrwein, der Pfarrerin für ihr Engagement in der Gemeinde- und Notfallseelsorge und bei vielen zusätzlichen Aufgaben. „Das Pfarrhaus wird wohl eine Weile leer bleiben“, sagte Wehrwein und machte wenig Hoffnung, dass die Pfarrstelle in Höllrich schnell besetzt wird. Die Verwaltung der Pfarrei wird der Gemündener Pfarrer Thomas Schweizer für die Zeit der Vakanz übernehmen.

Die Verabschiedung von Christel Mebert bezeichnete Wehrwein als „Stunde der Dankbarkeit und nicht der Trauer. Wir haben ihr viel zu verdanken“. Mit Sachverstand und Augenmaß habe sie sich den Aufgaben gestellt und auch schwierigste Herausforderungen angenommen. So war Mebert zuletzt auch Wehrweins Stellvertreterin.

Welchen Stellenwert Pfarrerin Mebert in den Gemeinden genießt, verdeutlichte die große Anzahl der Redner. Für die Kirchengemeinden Heßdorf, Höllrich und Weickersgrüben würdigte Hermann Fischer die Arbeit der Pfarrerin, die zwar nur eine halbe Pfarrstelle inne gehabt habe, aber keineswegs halbe Arbeit geleistet habe, sondern alle Aufgaben in der halben Arbeitszeit erledigt habe. Zum Abschied schenkten die drei Kirchengemeinden einen Gutschein über Krippenfiguren.

„Es ist schade, dass Du gehst“, meinte Pfarrer Robert Rüster von der Nachbarpfarrei Hammelburg. Zahlreiche Berührungspunkte habe es bei der Krankenhaus- und Altenseelsorge in Hammelburg gegeben. Zudem hat Mebert bei Gottesdiensten die Vertretung in der Saalestadt übernommen.

Immer auf eine offene Tür wird Christel Mebert bei ihren Pfarrerskollegen treffen, sagte Konsenior Gunnar Zwing aus Mittelsinn und überreichte symbolisch ein Salatbesteck, einen Brieföffner aus Tansania, ein Kreuz und ein Willkommenstürschild. „Deine Gemeinden und wir werden Dich sehr vermissen“, betonte Senior Bernd Töpfer (Marktheidenfeld). Vor allem ihre fröhliche und unkomplizierte Art habe die Arbeit im Dekanatskapitel wesentlich erleichtert.

Den Dank der evangelischen Kirchengemeinden aus Gemünden und Gräfendorf überbrachten Manuela Weber und Helga Waidmann in Vertretung von Pfarrer Schweizer. „Zu kurz“ war die Zeit der Zusammenarbeit nach den Worten von Norbert Thoma, dem katholischen Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Unter der Homburg. „Achteinhalb schöne Jahre in ökumenischer Zusammenarbeit“, so überschrieb Pfarrer Peter Rüb von der Pfarreiengemeinschaft Sodenberg und Vertreter der Notfallseelsorger die vergangene Zeit.

Für den Landkreis Main-Spessart verabschiedete stellvertretender Landrat Manfred Goldkuhle die scheidende Pfarrerin. Insgesamt 13 Jahre, zunächst in Karlstadt und dann in Höllrich, habe diese erfolgreich gewirkt. „Was hier geleistet wurde ist nicht verloren, auf diesen Bausteinen kann weiter aufgebaut werden“, sagte er. „Wir verlieren sie nur ungern“, betonte Karsbachs Bürgermeister Martin Göbel.

„Eine große Lücke tut sich jetzt in der Seelsorge im Krankenhaus in Lohr auf, meinte Pastoralreferent Albert Otto. Für Verwaltungsdirektor Marco Schäfer vom Doktor-Maria-Probst-Seniorenheim in Hammelburg war die Arbeit von Pfarrerin Mebert bei der Begleitung älterer, kranker und sterbender Menschen unvergesslich. Stets die passenden Worte traf Christel Mebert laut Waltraud Bunzel, Rektorin der Grundschule Gössenheim. Als „Verfechterin der Ökumene“ habe sie ihre kirchliche Aufgabe, die Fundamentlegung bei Kindern für ein Leben im christlichen Sinne, gemeinsam mit der Schule gesehen.

Kreisbrandinspektor Herbert Hausmann dankte im Namen der Feuerwehren und der gemeinsamen Notfallseelsorge für die gute Zusammenarbeit. „Wie ein Schiff ohne Kapitän(in) auf der Brücke“, sah Axel Höfler bald das Kirchengemeindeschiff. Bei den Vereinen in der Gemeinde, für die Höfler sprach, habe nicht nur die Pfarrerin, sondern die gesamte Familie zum Vereinsleben dazugehört.

„Wir wurden nicht nur wahrgenommen, sondern angenommen, wir haben uns in der Gemeinde wohl gefühlt“, dankte Christel Mebert allen, die an der Gestaltung des Gottesdienstes mitgewirkt oder zum Gelingen beigetragen haben. Einen besonderen Dank richtete sie an alle, die in den vergangenen Jahren ihre Arbeit unterstützten.

An der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes trugen die Kirchenschola Karsbach, der Posaunenchor Heßdorf, Höllrich, Weickersgrüben sowie Gertrud Weigand an der Orgel bei. Auf Meberts Wunsch spielte Manfred Goldkuhle die Kirchenorgel zum Auszug.
 
Artikel und Foto: Herbert Hausmann am 12. April 2011