Pfarrer Johannes Münderlein

11. Oktober 2017

Trauer um Pfarrer
Johannes Münderlein

Am Mittwoch, 11. Oktober 2017 fand in der voll besetzten Erlöserkirche Bad Kissingen die Trauerfeier für Pfarrer Johannes Münderlein statt, bei der Dekan Oliver Bruckmann die Predigt hielt und Pfarrerin Christel Mebert und Pfarrer Friedrich Mebert die liturgischen Texte sprachen.

Die Fürbitten wurden von den drei ehemaligen Bad Kissinger Kollegen, seinen Freunden und Wegbegleitern Pfarrer Dr. Öffner, Pfarrer Walter Fries und Pfarrer Schneider übernommen.

Für die Kirchengemeinde Bad Kissingen blickte Kirchenvorsteher Klaus Lotter in großer Dankbarkeit auf das segensreiche Wirken des von seiner Gemeinde geschätzten Seelsorgers zurück.

Der folgende Lebenslauf in der Saalezeitung wurde von Herrn Arthur Stollberger verfasst:

Mit Trauer und Betroffenheit müssen die Bad Kissinger und viele weitere Bürger im Landkreis den Tod einer sehr geschätzten Persönlichkeit zur Kenntnis nehmen.

Im Alter von 89 Jahren ist der evangelische Pfarrer Johannes Münderlein am Mittwoch nach längerer Krankheit verstorben. "Die letzte Strecke des Weges zur Ewigkeit zwischen Hoffen und Bangen war schmerz- und leidvoll", so lautet der Text in der Todesanzeige.

1953 hatte Münderlein nach dem Theologiestudium sein Examen abgelegt und 1955 folgte die Ordination. Stationen auf dem weiteren Weg waren Neuendettelsau, Landshut und Zeitlofs, bevor er 1971 seinen Dienst in Bad Kissingen antrat. Zwei Jahre später wurde Johannes Münderlein die 1. Pfarrstelle in der Kurstadt übertragen, und 1976 erhielt er die Funktion des Seniors im Dekanat Schweinfurt. Diese Funktion war gleichbedeutend mit der des Stellvertreters des Dekans und des Vertrauensmanns der Pfarrer.

Aufgaben, die mit der 1. Pfarrstelle verbunden waren, umfassten beispielsweise Pfarramtseinführungen, die Vertretung der evangelischen Gemeinden in der Öffentlichkeit sowie die Leitung der evangelischen Gemeindeteile Bad Kissingens und im Landkreis.

Im Hinblick auf bauliche Maßnahmen kümmerte sich Pfarrer Münderlein um die Renovierung der Erlöserkirche, den Kauf des Hauses der Begegnung und um die Vorbereitung zur Erweiterung des Katharinenstifts zum Pflegeheim.

Blickt man auf die kirchliche Situation zum Zeitpunkt der Amtsübernahme 1971, so sprach man von einem "Nachbeben der wilden 68er", verbunden mit einem theologischen Aufbruch. Pfarrer Münderlein hatte Freude an der geistigen Auseinandersetzung mit immer neuen Menschen in der Kurstadt.

Er hielt die ersten Kurvorträge, die später zum Fundament für die ökumenische Kurseelsorge wurden. Münderlein wollte dies als Zeugnis von einer "neuen Kirche und einer neuen Kur" im geistig-seelischen Bereich verstehen. Ihm gelang es, die Menschen unter einem neuen Blickwinkel zu sehen, wobei ihm ein vertieftes Zuhören ebenso wichtig war wie die Verkündigung des Gotteswortes.

Was die Gemeindemitglieder an Johannes Münderlein ganz besonders schätzten, war seine Fähigkeit zum Ausgleich. Er zog aber durchaus kritisch Position, ohne jemals die Freiheit des einzelnen in christlicher und politischer Sicht einzuengen. Aus dieser Grundeinstellung heraus war er bemüht, neue Formen des ökumenischen Miteinanders zu finden. In seiner Amtszeit hatte dieses Miteinander eine erste Blütezeit.

Als Pfarrer Münderlein nach einem festlichen Kantatengottesdienst in den Ruhestand trat, geschah es im Bewusstsein, dass sich seine Zeit erfüllt habe. Zur Musik hatte der Theologe Münderlein ein inniges Verhältnis. Konzerte mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach, G.F. Händel oder Philipp Emanuel Bach waren für ihn nicht nur der "Abglanz des Himmels", er selbst wirkte beim Kissinger Kammerorchester lange Zeit mit.

Bei seiner Verabschiedung erntete Stadtpfarrer Münderlein höchstes Lob für seine vorbildliche Amtsausübung. Johannes Strauß, der damalige Dekan, sagte, Münderlein habe Autorität genossen, ohne autoritär zu sein. Als kultivierter Mensch habe er die leisen Töne mehr als die lauten geliebt.

Der katholische Amtskollege, Dekan Oskar Pflüger, bezeichnete die Zeit, die er mit Münderlein verbrachte, als "wunderbare Jahre". Stets habe ihn die "tiefe Innerlichkeit" im Wesen Münderleins berührt.

Bereits unmittelbar nach seinem Tod lässt sich ein vorläufiges Fazit des Lebenswerks von Stadtpfarrer Johannes Münderlein ziehen: Seine Persönlichkeit und seine Leistungen werden in der Chronik der evangelischen Kirche der Kurstadt einen höchst ehrenvollen Platz einnehmen.

(Text: Arthur Stollberger - Quelle: Die Saalezeitung vom 8.10.2017)

 
 
Zeichnung Wiltrud Münderlein
 
 
Extra-Ausgabe des Gemeindebriefes 1992
( hier als pdf )

Zum Abschied
von Pfarrer Johannes Münderlein
Evang. Kirchengemeinde Bad Kissingen
1971 -1992

 

Liebe Gemeindeglieder!

Mit dieser "Extra-Ausgabe" des Gemeindebriefes nehmen wir - vor allem die früheren und jetzigen Mitarbeiter in unserer Gemeinde - Abschied von Pfarrer Johannes Münderlein und seiner Ehefrau Wiltrud. Weil Johannes Münderlein seit über 20 Jahren in unserer Gemeinde tätig ist, wollen wir diese "Extra-Ausgabe " ihm und seiner Frau widmen. Damit wollen wir aber letztlich nicht zwei Menschen über andere erheben, sondern unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für die Fülle dessen, was Menschen für andere zu sein vennögen, und damit möchten wir gleichzeitig auch für die vielen Mitarbeiter unserer Gemeinde und für ihre hingebungsvolle Mithilfe Dank sagen.

In manchen der Gedanken, die hier zum Ausdruck kommen, werden Gemeindeglieder einiges finden, was sie so ähnlich mit Münderleins auch erlebt haben. Johannes Münderlein war im September 1971 nach Bad Kissingen gekommen, zunächst auf die 3. Pfarrstelle. Seit 1977 hat er als erster Pfarrer die Leitung der Kirchengemeinde mit dem ihm eigenen Engagement und einer tiefen Geistlichkeit und Gläubigkeit ausgefüllt.

Am Sonntag, 31. Januar, wird Johannes Münderlein im Kantaten- Gottesdienst in der Erlöserkirche seine "Abschieds-Predigt" halten. Zu diesem Gottesdienst laden wir Sie herzlich ein, ebenso zu dem Bei?? sammensein, das sich danach im Gemeindehaus anschließen wird. Der 31. Januar ist heuer der letzte Sonntag im Weihnachtsfestkreis, an dem noch einmal die Verkündigung von dem Licht im Mittelpunkt steht, das mit Jesus Christus von Gott in die Welt gekommen ist.

Vor ein paar Jahren hat Wiltrud Münderlein für eine adventliche Feier der Mitarbeiter einmal die Zeichnung gemalt, die Sie auf dem Titelblatt sehen: Menschen sind miteinander unterwegs, die Wege sind verschlungen, aber der Stern wandert mit und erhellt mit seinem Licht alle Wege und Herzen: "Es wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesicht kam euch die Rettung her" (Jochen Klepper, EKG 14,4).

So habe ich das Ehepaar Münderlein immer erlebt: Zusammen auf dem Weg mit anderen, aber so, daß sie beide die Botschaft von dem Licht und der Liebe Gottes selbst geglaubt, gelebt und weitergesagt haben. Dafür sage ich ihnen bei den meinen bleibenden Dank. In dem Vertrauen, daß der Stern der Gotteshuld in das Leben von uns allen scheint, grüße ich Sie.

Ihr Pfarrer Arno Schneider

"Das teuere Predigtamt"



Fast auf den Tag genau sind es 38 Jahre her, daß ich in meiner Heimatstadt Nürnberg zum Amt des Pfarrers ordiniert worden bin. Damals erhielt ich ein Buch zum Geschenk, das den Titel "Das teuere Predigtamt" trägt. Mit vielen Worten bedeutender Christen wird darin die Aufgabe des Predigtamtes beschrieben, seine Möglichkeiten, seine Gnaden, seine Schwierigkeiten. An dieses Buch erinnere ich mich heute, da ich Ihnen meinen letzten Brief in dieser "Extra-Ausgabe" schreibe.

"Das tcuere Predigtamt" . In der Tat ist mir das Amt des Pfarrers von Jahr zu Jahr mehr ein "teueres Amt" geworden, ein Amt, das mich erfüllt und reich gemacht hat, für das ich tief dankbar bin. Mein Dank für diese Berufung gilt Gott dem Herrn. Er gilt aber tn gleicher Weise vielen Menschen die mich begleitet und gestärkt haben. Manche Namen könnte ich nennen. Es ist mir aber bewußt, daß sehr vieles erst in der ewigen Welt Gottes sich offenbaren wird. Ich denke vor allem an die stillen, treuen Beter, die den Weg meiner Frau und meinen Weg mitgetragen haben. Ohne solche Kräfte wäre eine Pfarrfamilie in den großen Schwierigkeiten ihres Amtes verloren.

Wie wird es weitergehen in unserer Gemeinde? Nach der Ordnung unserer Kirche ist die nun frei gewordene Pfarrstelle in dem Amtsblatt ausgeschrieben worden. Es ist zu hoffen, daß sich viele für diese Stelle interessieren werden. Für die Besetzung hat diesmal der Kirchenvorstand das Recht der Pfarrerswahl. Ich bitte alle unsere Gemeindeglieder sehr, dieses Geschehen in den nächsten Wochen in besonderer Weise mit ihrem Gebet zu begleiten.

Aber noch einmal frage ich: "Wie wird es weitergehen?" Das geistige Klima unserer Gesellschaft ist in einer starken Veränderung. Davon sind auch die Kirchen betroffen. Auch wenn die Zahl der Kirchenaustritte in unserer Gemeinde äußerst gering ist, so ist doch zu spüren, daß der Kirche mehr Widerstand entgegengebracht wird. Ein Widerstand, der oft in einer verstärkten Gleichgültigkeit liegt. Aber auch offene Angriffe gibt es, die sich in törichten Fernsehsendungen zeigen, ebensosehr in einer Reihe von zweifelhaften Büchern mit marktschreierischen Titeln. Obwohl sich in ihnen zumeist Halbwahrheiten oder auch Unwahrheiten verbergen, werden sie doch zu Bestsellern. Auf der anderen Seite aber zeigt sich in erschreckender Weise, wohin eine Gesellschaft ohne Gott gerät. Die steigenden Verbrechen, dle die zunehmende seelische Verwahrlosung andeuten, haben ihren Grund in der Mißachtung des Gebotes Gottes und in der  Unfahigkeil, ihn zu suchen. Christsein wird in ungleich höherem Maße als früher eine Sache bewußter Entscheidung werden. Wie sehr wünschte ich mir, daß unter uns Entscheidungen für Gott, für Jesus Christus und für die damit verbundene Mitarbeit in der Gemeinde getroffen würden. "So lange es Mönche und Nonnen gibt, so lange wird die Welt existieren" habe ich neulich als  Überschrift über den Bericht eines neugegriindeten Klosters in der ehemaligen Sowjet-Union gelesen. Man kann das auch so ausdrucken: So lange es bewußte und hingebungsvolle betende Christen gibt, so lange wird es einer Gesellschaft gut ergehen.

Ich habe eingangs von dem teueren Predigtamt gesprochen. Das Predigtamt ist nur eine der Berufungen, in die uns Gon stellt. Jeder in unserer Gemeinde hat sein Amt, seinen Auftrag, seine eigene Berufung. Ich wünsche Ihnen Glück dafür, ein Erkennen Ihres Weges und die Freude an [hrem Leben, so schwer manche Tage auch sein mögen. Mit allen Segenswünschen und in großer
Dankbarkeit für viele gemeinsame Jahre grüBen Sie Ihre

Johannes und Wiltrud Münderlein

Pfarrer Münderlein im Ruhestand
Dekan Johannes Strauß. Schweinfurt

Senior des Pfarrkapitels ist Johannes Münderlein in doppelter Weise: Er ist inzwischen - Geburtsdatum 24. Mai 1928 dessen ältestes Mitglied und seit 1977 ist er in der dritten Wahlperiode gewählter Senior, d. h. Vertrauensmann der Pfarrer. Diese haben ihn in geheimer Wahl jeweils mit großer Mehrheit in dieses Amt berufen. Er übt es mit liebevollem Einfühlungsvermögen aus und ihm wird großes Vertrauen entgegengebracht. Auch als 1. Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bad Kissingen zeichnet er sich durch seine seelsorgerliehe Sensibilität aus. Er ist in der Badestadt und über sie hinaus hoch angesehen. Dem Team der kirchlichen Mitarbeiter in Bad Kissingen widmet er Zuneigung. Autoritär zu sein, ist ihm völlig fremd, und gerade dadurch ist er eine Autorität.

Auch sein Familiensinn ist vorbildlich. Das können seine Frau, seine drei Kinder und seine immer noch mehr werdenden, zahlreichen Enkelkinder bezeugen. Daß er ein musischer Mann ist, schätzen viele Freunde, die er gerade mit dieser Gabe gewonnen hat. Der Gambenspieler Johannes Münderlein zeigt nicht nur durch die Liebe zu diesem Instrument seine musikalische  Kompetenz. Gebildet und belesen ist er. Seine Kultiviertheit liebt die leisen Töne mehr als die lauten. Daß jemand ein im alten Sinn gebildeter Pfarrer ist, kann man nicht immer sagen, bei Johannes Münderlein muß man es.

Dabei ist er als Theologe - was den Prediger und den Seelsorger einschließt - überzeugend. Nicht zuletzt als homiletischer Fachprufer, d. h. als Beurteiler von Predigten, hat er das in Prüfungskommissionen bewiesen. Wer ihn kennengelemt hat, mag ihn. Sein Ausscheiden aus dem aktiven Dienst ist ein Verlust, den wir so schnell nicht verschmerzen werden und der nur dadurch gemildert wird, daß die Münderleins in Bad Kissingen bleiben."

... damit sie eins sind wie wir."
Stadtpfarrer Dekan Oskar Pflüger

Schon in meiner Jugendzeit, während des Studiums, haben mich diese Worte des Herrn aus Johannes 17,11, getroffen und tief bewegt. Scit dieser Zeit gehört täglich in mein Morgengebet in irgend einer Weise eine Bitte um das Einssein und immer mehr Einswerden unter uns christlichen Konfessionen. Wenn ich heute dieses zur Verabschiedung Thres langährigen Seelsorgers Pfarrer Johannes Münderlein bekennen darf, erfüllt mich mein Rückblick mit großem Staunen und dankbarer Freude. Wie groß hat Gott doch mein Gebet erhört! Als mein Weg immer mehr auf das Priestertum zuging, wuchs mein Wunsch, einmal in Gemeinden wirken zu dürfen, in denen auch eine evangelische Gemeinde lebt und ich mit ihren Seelsorgern in Gemeinschaft am wachsenden Gottesreich über alle noch bestehenden Grenzen hinweg arbeiten darf. Viel mehr noch ist geworden:

In Ihrem nun aus dem aktiven Dienst scheidenden Seelsorger Johannes Münderlein habe ich einen Freund gefunden, der mir aus seiner tiefen Innerlichkeit heraus manches ennutigende Wort und manchen wertvollen Rat gegeben hat. Anders, als ich mir vielleicht am Anfang meines Setens den Weg zur christlihen Einheit vorgestellt hatte, durfte ich mit ihm erfahren, wie uns die geistliche Tiefe zur Mitte, zum Herrn selber führt und dann noch bestehende Grenzen nicht mehr verletzten, nur anspornen im liebenden und ehrlichen aufeinander Zugehen. Respekt v:lavor, was der andere noch anders hat und Suche nach dem, was uns eint.

So durfte ich Johannes Münderlein erleben,
und so kamen wir uns näher. Als er mir bei
meiner Amtsübernahme hier in Bad Kissingen
vor zehn Jahren den Gruß Ihrer evangelischen
Gemeinde entbot, tat er es mit dem
Rat: "Besser ist ein Geduldiger als ein Starker,
weil in Geduld wahre Stärke liegt!"
Daran hat uns der Chronist Franz Warmuth
in seinem Rückblick über meine zehn Jahre
in der Pfarrei gemessen. Das Wort war nicht
untergegangen. Viel hat Johannes Münderlein
mit beigetragen, daß ich mich bei vielen
festlichen Anlässen Ihrer Gemeinde unter
Ihnen sehr wohlfühlen darf. Unsere beiden
Gemeinden sind sich herzlich nahe gekommen
und sind darnlt ein Zeichen dafür, was
Jesus wil1. Dank dazu auch Ihnen allen, den
weiteren Seelsorgern Ihrer Gemeinde bisher,
und Ihnen allen, die Sie auf dem
gemeinsamen Weg rnltgegangen sind! Dank
auch meiner katholischen Gemeinde, die
sich über die Gemeinschaft ebenso freut!
Ein wertvolles Zeichen dafür ist die so
gelungene, segensvolle, gemeinsame Bibelausstellung
im Alten Rathaus.
Lieber Johannes! Du hast kürzlich einmal
gemeint: "Wenn ich im Ruhestand Zeit
habe, dann helfe ich Dir bei Deinen vielen
Aufgaben mit!" So humorvoll und so herzlich
gesprochen zeigt es Dich und läßt mich
Dir für den Ruhestand wünschen, daß Du
noch lange in Gesundheit hier sein und dann
auch mitwirken kannst, daß der gemeinsame
Weg, wie er schon bisher von Deinen Mitarbeitern
und Mitbrüdern mitgetragen wurde
auch in der Zukunft das Leben in unserer
Stadt mitgestaltet.
Dank Dir auch von unserer katholischen
Herz Jesu Gemeinde! Auf viele Jahre!

Impressionen aus unserer gemeinsamen Zeit
Charlotte und Walter Fries,
Hildegard und Ernst Öffner
Eva-Maria Schleicher (Vignetten)

Wenn man zu ihm kommt, findet man am
Schreibtisch, am Besuchertisch ein Buch,
mehrere Bücher, aufgeschlagen. Im Arbeitszimmer,
im Wohnzimmer Bücher, im Regal
oder offen daliegend. Und wenn er zu uns
kommt, der Gang zum Bücherschrank, der
Blick über die Titel, oft ist es der Anfang
eines Gesprächs: "Ich habe da ein interessantes
Buch gelesen ... ". So läßt er viele
daran teilhaben. Dabei ist er wie der Hausvater
in dem biblischen Gleichnis, der aus
seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.
Neues, wenn er es für würdig befindet, und
Altes, das er lieben gelernt hat. Fontane zum
Beispiel oder Jochen Klepper. Manchmal
sagt er wehmütig: "Wer wird darum wissen
und davon reden, wenn ich und meine
Generation einmal abtritt?" Er gehört zu
jener Generation, für die geflügelte Worte
noch tragfahige Schwingen haben, die über
Raum und Zeit heben und mitten in die
Gegenwart führen. Bibelworte, Klassikerzitate,
Anekdoten, manchmal ironisch, augenzwinkernd,
frech, dann wieder sehr
ernst, nachdenklich, melancholisch.
Mit vielen ist er befreundet, lädt ein und läßt
sich einladen. Er ist da, präsent, am liebsten
an mehreren Orten gleichzeitig, und er genießt
es, dabei zu sein.
Aber nicht er allein, denn Wiltrud ist oft mit
dabei. Seit die JGnder groß und aus dem
Hause sind, hat sie mehr Zeit, die gelernte
Gärtnerin und Studentin der Biologie, unter
deren Händen nach einem Wort des Dekans
vieles erblüht. Nicht nur Blumen und Pflanzen
erweckt sie zu neuem Leben. Sogar
winzige Fledermausbabies pflegt sie mit
großer Liebe und Hingabe, als seien es ihre
I(jnder, bis diese wieder über den Berg sind
und Gardinen und Blumentöpfe wieder verlassen
können! Ihr inniges Verhältnis zur
Natur zeigt sich auch darin, daß sie zu Tränen
erschüttert sein kann, wenn der Natur
Unrecht geschieht und sie leidet.
Auch menschliches Leid findet bei Wiltrud
offene Ohren und ein Herz, das zum Mitleiden
fahig ist. Sehr weich und einfühlsam
kann sie sein, aber streng und unerbittlich,
wo Mitleid fehl am Platz ist, wo eine
Zurechtweisung ihr hilfreicher erscheint. Sie
hat die Gabe, den Dingen etwas Positives
abzugewinnen, Mühe und guten Willen
anzuerkennen und nicht mit Lob zu sparen.
Sparen will sie· an anderer Stelle, nämlich
dort, wo ihr neue, ihrer Meinung nach
unnötige Dinge angeboten werden, z. B.
eine neue Küche. Da bleibt sie bei ihrer
dreißig Jahre lang sorgsam gepflegten alte

und ist stolz, diese Ausgabe nicht verantworten
zu müssen. Aber an dem wunderschönen
Kamin im Wohnzimmer des neuen
Hauses kann sie sich begeistern, die wunderbare
Handarbeit der Töpferin loben und
die Wärme genießen.
Wenn sie auch im neuen Haus keine alten
Gasöfen in Gang bringen muß, werden dennoch
genug Möglichkeiten bleiben, ihren
technischen Verstand unter Beweis zu stellen.
In vielen Jahren unserer gemeinsamen
Weltgebetstagsarbeit hat Wiltrud sich hier
mit besonderer Hingabe engagiert und den
Mitarbeiterinnen immer wieder Einblicke in
die tiefen, geistlichen Dimensionen ihres
Lebens gewährt. Sie hat gezeigt, woher sie
ihre Kraft schöpft, die ihr Leben, Kreativität
und Phantasie gibt.
Nach den Sommerferien trafen wir uns das
erste Mal wieder. Wir erzählten uns von
unseren Urlaubserlebnissen. Münderleins
waren in England, Musikfreizeit und verregnete
Wochen im bescheidenen Zwei-MannZelt.
Johannes Münderlein aber schwännte.
Er hatte eine in Handarbeit gebaute Gambe
eines englischen Gambenbauers erstanden.
Das Besondere: Ein geschnitzter, wunderschöner
Engelkopf am Instrument. Theologisch-
musikalisches Sinnbild?
Manchmal, wenn wir Zeit hatten oder Zeit
&rauchten für uns, musizierten wir abends.
Ohne Zweck und Ziel, ohne an eine Aufführung
zu denken. Unser Miteinader-Musizieren
war die Aufführung. (Daß dann manches
doch auch anderen zu Gehör kam, ent-

sprang auch der Lust am Zusammenspiel.
Vom Pfarrers trio sprach die Gemeinde
dann.) Jeder spielte, so gut er konnte, auf
dem Cembalo oder Klavier, auf der Flöte
und der Gambe. Manchmal mußten wir den
richtigen Ton, den Rhythmus erst finden.
Das Wichtigste war das Hören aufeinander,
das sich Einstimmen und die Freude des
(endlichen) gemeinsamen Wohlklangs.
Johannes strich hingebungsvoll und leichthändig
seine immer etwas näselnde Gambe.
Unverzichtbar: Danach das MiteinanderPlaudern
bei einem Glas Rotwein. Das
gehörte zum Ritual.
Theologie und Musik miteinander verbunden,
wie weiland De. Martinus Luther schon
an den Münchener Hofkapellmeister Ludwig
Senf! schrieb: "lch urteile frei heraus
und scheue mich nicht zu behaupten, daß
nach der Theologie keine Kunst sei, die der
Musik gleichzustellen wäre, weil sie allein
nach der Theologie das schenkt, was sonst
allein die Theologie schenkt, ein ruhiges
und fröhliches Herz. Dafür ist ein klarer
Beweis, daß der Teufel, der Vater der traurigen
Sorgen und des unruhigen Urntreibens
bei der Stimme der Musik ebenso flieht, wie
beim Wort der Theologie." Also hat es mit
dem Engel auf der Gambe wohl doch seine
Richtigkeit.
Oft kam es sehr spontan: "Habt ihr Lust,
noch zu uns zu kommen? Da sind noch
andere Gäste, Freunde, Bekannte. Es wäre
doch schön." Es wurde schön. Die Blumen
am Tisch waren von Wiltrud arrangiert. Das

Brot hatte sie selbst gebacken. Nach dem
Urlaub ein "Erzählabend", von den Gastgebern
Vinschgauer Fladen und Südtiroler
Wein, dazu Käse aus der Schweiz, Oliven
aus Italien ... Das Wichtigste war das Erzählen
von den Erlebnissen und Erfahrungen,
so daß jeder teilhaben konnte an den
Geschichten und der Geschichte der anderen,
daß man gemeinsam "ankam" und sich
erneut gemeinsam aufmachen konnte zur
gemeinsamen Arbeit. "Gemeinsam", das
war die Idee dahinter.
Und das war auch das Ziel der wöchentlichen
Dienstbesprechung, der vielen Türund-
Angel-Gespräche im Pfarramt, der
schnellen Einladungen. "Geklärte Beziehungen"
sind die Basis aller gemeinsamen
Arbeit, sagen Psychologen. Das war Johannes
Münderleins besonderes Anliegen. Da
sollte jeder zu Won kommen, jeder seinen
Raum haben. Mit zunehmender Zahl der
"Hauptamtlichen" wurde dieser Raum allerdings
- rein zeillich - immer enger...
Er nimmt sehr bewußt wahr, was am Tage
ist und Was dran ist. Manchmal erscheint er
wie ein Traumtänzer, den Augenblick Jebend,
auskostend und doch darüber schwebend,
bereit, Neues zu erfahren. Früher verbrachte
er seine Urlaubstage im Segelboot
auf dem Wasser. Er nimmt mit hellen Sinnen
wahr und tut oft unvermutet und treffend
Unerwartetes, Richtiges. So wie
damals, als er nach dem Konzert die übrigen
Blumen der Hochzeit einsammelt, um sie
später denen zu überreichen, die sich neu
darüber freuen. Nichts geht verloren, neue
Zusammenhänge werden hergestellt, Verbindungen
geknüpft. Er kann sammeln und
austeilen; Blumen, Gedanken, Anregungen.
Das gehörte ja zu seinem Dienstauftrag, als
Pfarrer und Repräsentant der evangelischen
Kirchengemeinde. Wenn die "öffentlichen"
Verpflichtungen überhand nahmen und zu
Engpässen und Hektik führten, hieß es
manchmal: Muß Kirche, müssen Pfarrer
überall dabei sein? Dann kam sein Lieblingswort:
"Präsenz". Johannes Münderlein wollte
die evangelische Kirche und Gemeinde
im öffentlichen Leben Kissingens repräsentieren,
ihre Präsenz in eigener Person darstellen.
So war er präsent bei Empfangen
der Stadt oder des Landkreises, im Kissinger
Kunst- und Kulturkreis, in den Schulen,
bei Jubiläen und Weihnachtsfeiern, bei Einweihungen,
Konzerten (der geliebte "Kissinger
Sommer"!) und oekumenischen
Begegnungen und natürlich in der KUIseelsorge.
Leicht sich von einem Termin
lösend zum anderen eilend, so war er präsent
und dadurch auch bekannt, Ansprechpartner
für manche bei solcher Gelegenheit.
Seelsorger in der Stadtkultur-Szene - und so
liebenswürdiger Repräsentant der evangelischen
Gemeinde, gar manchmal mit einem
klugen, menschlich warmen Grußwort, das
oft die Situation sehr sensibel erspürte und
Evangelium konkret machte ...

Ursprünglich von der "Michaelsbruderschaft"
geprägt, einer geistlichen Gemeinschaft
evangelischer Männer aller Berufe,
die sich die spirituelle Prägung des Alltagslebens
durch Gebet, Meditation, Gottesdienst,
Seelsorge und geistliche Zucht zum
i!iel gesetzt hatte, widmete er sich in späteren
Jahren, da die Kinder aus dem Haus
sind, wieder intensiver diesem Anliegen.
Meditationstage, evangelische Exerzitien,
Retraite-Wochen, nun mit Wiltrud zusam-

men, geben der Arbeit Tiefe und dem
gemeinsamen Leben eine neue Dimension.
So ist er wirklich der "Geistliche", der selbst
zu den Kraftquellen des EvangeUums vordringt,
um diese Kraft weitergeben zu können.
Viele Kurgäste haben das gespürt. Und
so wurde er in immer stärkerem Maße zum
Seelsorger, der sich Zeit ninunt, zuhören
und Wegweisung in evangelischer Freiheit
geben kann. Mehr als Ausbildung haben ihn
eigene, sehr schmerzliche Erfahrungen,
schon früh zum Seelsorger werden lassen,
der ein Gehör und Gespür für die Nöte der
anderen hat. Dabei zeichnet ihn eine eigene
Leichtigkeit und Lockerheit im Umgang mit
anderen Menschen und mit sehr ernsthaften
Themen aus, die wohltut. Manchmal spielt
dann ein Lächeln oder ein Fontane-Zitat um
seine Lippen.
Mehr davon, vom "Geistlichen" Johannes
Münderlein zu schreiben verbietet sich.
Denn das ist ein verborgener Bereich, auch
bei einem Pfarrer, der des Schutzes und der
Verschwiegenheit bedarf. Jeder braucht
auch sein Geheimnis.
Es wäre noch viel zu sagen. An eine gute
gemeinsame Zeit denken gerne und dankbar

Musikalischer Weggefährte
Landeskirchenmusikdirektor Michael Lochner

Zwischen 1983 und 1991, in entscheidenden
Berufsjahren, ist mir Pfarrer Johannes Münderlein
ein wichtiger Gesprächspartner und
kirchenmusikalischer Weggefahrtc gewesen.
Trotz anfanglicher Anpassungsschwierigkeiten
hatten wir zu einem guten Einvernehmen
gefunden, woraus sich zuletzt eine
ausgesprochen vertrauliche und freundschaftliche
Zusammenarbeit entwickeln
konnte.
Ich nenne es einen glücklichen Umstand,
wenn der eigene Pfarrer selbst in der Kirchenmusik
aktiv mitwirkt, als Theologe
unter den "Laien" sitzt und sich mit ihnen
gemeinsam an einer Musik zum Lobe Gottes
versucht. Im Bad Kissinger Kammerorchester
konnte ich solches in eindrucksvoller
Weise erleben. In dieser Gemeinschaft
von leidenschaftlichen Musikerinnen und
Musikern lagen Gelingen und Scheitern
stets eng nebeneinander. Johannes Münderlein
war zuständig für des ,.Basses Grundgewalt",
wobei er mit seinem historischen
Violone im Zusammenspiel mit den anderen,
modernen Instrumenten eine Sonderstellung
einnahm.
So erlebte ich Johannes Münderlein auch als
Pfarrer: Als eine eigenständige, kontrapunktierende
Stimme im Leben der Gemeinde, in
den Dienstbesprechungen, in den Gruppen
und Kreisen, bei Außenkontakten und nicht
zuletzt im Gottesdienst. Eine Stimme, die
mir zu überraschenden Erfahrungen verhalf.
Dazu gehört die Unterscheidung von
,.Pflicht und Kür" in der Kirchenmusik,
sowie die Gelassenheit darüber, daß alles,
was wir tun Stückwerk bleiben muß. Dafür
entsteht Raum für Unverfügbares, das sich
dem Zugriff der Macher entzieht. Johannes
Münderlein hat mir diesen Raum geöffnet.
Ihn zu kennen, ist mir heute noch wichtiger
als damals. Deshalb schaue ich dankbar auf
die Jahre unseres gemeinsamen Weges in
der Gemeinde Bad Kissingen.
Mögen die Spuren Deines Wirkens noch
lange unter uns sichtbar bleiben, lieber
Johannes! Namens meiner Frau und unserer
Kinder gruße ich Dich und die Gemeinde
von Bad Kissingen mit einer Strophe aus
dem Lied 198, das wir so oft gemeinsam
gesungen haben:
Rühmet ihr Menschen, den hohen Namen
des, der so große Wunder tut.
Alles, was Odem hat, rufe Amen
und bringe Lob mitfrohem Mut.
Ihr Kinder Gottes Lobt und preist
Vater und Sohn und Heiligen Geist!
Halleluja, Halleluja.

"Mehr als nur drei gemeinsame Jahre ..."
Pfarrersehepaar Bia und Manuel Ritter

Gerade an die erste Begegnung erinnern wir
uns gut: Es war unser Ordinationstag im
Jahr 1985 in BergrheinfeldiSchweinfurt, am
Fest Christi Himmelfahrt. Der feierliche
Zug vom Bergrheinfelder Pfarrhaus zur Kirche
kam auch am Schaukasten vorbei. Darin
hing die Abbildung einer russischen Hirnmelfahrtsikone.
Seinen herzlichen Wunsch
für unser Wirken als Pfarrersehepaar in
Bergrheinfeld verknüpfte Johannes Münderlein
anschließend mit der Bedeutung dieser
Ikone für ihn selbst. Mitten im Tumult eines
Ordinationsfestes ganz nebenbei etwas wie
ein Bild "aufzunehmen" und es in einem
persönlichen Wunsch "auf den Punkt zu
bringen", das ist eine Eigenschaft, die wir
bis heute an Johannes Münderlein immer
wieder staunend entdecken.
Der nächste Eindruck war ein Anruf mitten
in der Woche bei uns in Bergrheinfeld: Er
säße gerade über dem Predigttext des kommenden
Sonntags, einem Abschnitt aus den
Abschnittsreden des Johannes-Evangeliums.
Da habe er sich daran erinnert, daß er in den
Jahren seiner Nähe zur evangelischen Michaelsbruderschaft
eine hilfreiche Auslegung
genau dieses Textes durch unseren
Großvater Karl Bernhard Ritter gehört habe.
UJ1d dies wolle er uns nur kurz mitteilen.
En typischer Wesenszug - auch von anderen
beobachtet - der uns schon damals auffiel:
Ein waches Interesse für den anderen,
sein Leben und seine Arbeit; eine behutsame
Aufmerksamkeit, die auch unter pfarrern
nicht selbstverständlich ist, bei ihm aber bei
aller eigenen Arbeitsfülle nie hinten an
gestellt wurde.
Der dritte Eindruck betrifft Wiltrud Münderlein.
Lose hatten wir einmal vereinbart,
an einem Samstag von Bergrheinfeld aus
nach Bad Kissingen zu kommen. Da Johannes
Münderlein in seiner Eigenschaft als
Senior des Pfarrkapitels unterwegs war, war
es für Wiltrud Münderlein eine Selbstverständlichkeit,
mit uns samt zwei quakenden
Kindern einen Tag längs und quer durch
Bad Kissingen zu fahren und uns geduldig
und liebevoll alles zu zeigen. Gewiß trug
auch dieser schöne Tag dazu bei, daß es uns
nicht schwerfiel, uns Jahre später dann um
eine Pfarrstelle in Bad Kissingen zu bewerben.
Wenn wir an Johannes Münderlein und
seine Arbeit denken, die wir nun seit drei
Jahren hier in Bad Kissingen miterleben, so
fällt uns bei gegensätzlicher Auffassung in
manchen Einzelfragen immer wieder eine
von Martin Buber überlieferte Anektode der
ostj üdischen Rabbiner ein. Wir verbinden
sie mit niemandem sonst so, wie mit Johannes
Münderlein. Deshalb geben wir sie hier
einfach in Dankbarkeit weiter: Die Schüler
eines Rabbis wurden einmal gefragt, was für
ihren Lehrer zeitlebens das Wichtigste
gewesen sei. Verschiedene Antworten wurden
gegeben aber immer wieder als nicht
treffend genug verworfen. Bis ein Schüler
aufstand und abschließend feststellte: "Das
Wichtigste war für unseren Lehrer immer
das, womit er sich gerade abgab". 0

Eigentlich!
Max Matthies
Eigentlich gab es ja viele Überlegungen und
Pläne, wie sich ein Pfarrer von seiner Gemeinde
oder wie eine Gemeinde ihren Pfarfef
verabschieden könnte.
Eigentlich konnten alle nur sicher sein, daß
es immer Menschen gibt, die mit der gefundenen
Form letztlich unzufrieden oder
"nicht glücklich" sind, weil sie ihre eigenen
Vorstellungen nicht verwirklichen konnten.
In so einern Fall zeigt sich eigentUch immer,
wie schwer es ist, einen kleinsten, gemeinsamen
Nenner zu finden.
Eigentlich stellt sich doch die Frage, wie es
mit dem Glücklichsein im Zusammenhang
mit Abschied überhaupt bestellt ist? Ist der
Pfarrer glücklich, nach so vielen Berufsjahren
in den Ruhestand zu treten? Ich finde, er
hat sich diesen Übergang zum dritten Lebensbogen
nicht leicht gemacht. Eigentlich
darf Pfarrer Johannes Münderlein doch
glücklich sein.
Eigentlich ist geteiltes Glück doppeltes
Glück. Ist jetzt also auch die Gemeinde
glückJich? Wollen wir sein Glück
schwächen, weil wir es nicht teilen wollen?
Wie sieht das aus, wenn wir sagen, wir
wären glücklich über seinen Abschied?
Eigentlich liegt der Fall aber anders: So ein
richtiger Abschied ist es ja nicht, nur einer
vom Amt. Er bleibt uns ja erhalten. Und
"geteiltes Glück" heißt ja nicht "getrenntes
Glück". Wir werden uns ja immer wieder
treffen und im Gespräch und Gedankenaustausch
das Glück der Begegnung teilen. So
könnte es geschehen, daß wir im Stehenbleiben
feststellen, daß Brecht gut beobachtet
hatte, als er das ,.Rennen nach dem Glück"
sah und festhielt, daß es eigentlich immer
hinterherrennt.
Aber Glück ist ja nicht alles, eigentlich ...

Pfarrer Münderleins beliebte Worte:

"Das sind Dinge, die kommeIllInd geheII. "
" Wie sagte mein friiherer Autohändler immer:
"Einen Handwerker, der denkt,
können Sie heutzutage gar nicht mehr bezahlen."
"Das ist schon tief bewegend."
"Es gibt nur drei Dillge, auf die ich in Bad Kissingen stolz bin:
I . . .... 2 . . .... über das dritte fällt mir im Augenblick nicht ein."
" Darüber wäre noch .. viel zu sagen ...
"Wie's halt so geht."
"Also dann ... "
 
"Der Evangelist unter unseren Pfarrern"
Pfarrer Arno Schneider

Als ich vor sieben Jahren mit meiner Familie
nach Bad Kissingen kam, war es für
mich wohltuend, wie Pfarrer Münderlein
mich aufgenommen hat. Und immer, wenn
ein neuer Mitarbeiter in unsere Gemeinde
kam, habe ich miterlebt, wie Johannes Münderlein
darauf bedacht war und mithalf, daß
jeder seinen Platz finden kann, daß er Raum
erhält, sich zu entfalten, daß ihm Wege
geebnet und nicht verstellt werden. Wie
wichtig ist das gerade in einer Zeit, in der in
vielen Arbeitsbereichen in unserer Gesellschaft
zunehmend mit den Ellenbogen
gegeneinander gearbeitet wird.
So habe ich mich bei Johannes Münderlein
immer gut aufgehoben gefühlt. Aus seinem
Herzen heraus konnte er Raum geben und
schaffen für Menschen. Eine Herberge sein
für andere, eine Krippe sein für eine
menschliche Welt: Etwas von der weihnachtlichen
Geschichte scrununerte durch
die meisten Begegnungen, die ich mit 10-
hannes Münderlein hatte.
Mit Einfühlungsvermögen, Geduld und
durch viele Gespräche hat Johannes Münderlein
in unserer Kirchengemeinde sehr
integrierend gewirkt, vor allem zwischen
d??n hauptamtlichen Mitarbeitern. Wenn es
galt, Konflikte voranzubringen, konnte er
eigene Imeressen zurückstellen. Ohne seine
Fähigkeit, zu vermitteln, wäre manches Miteinander
gar nicht zustande gekommen. So
gesellte sich bei ihm zu dem Anliegen, daß
jeder seinen Raum haben sol1, die Suche
{lach gemeinsamen Wegen und nach Zusammenarbeit.
Streitigkeiten vom Zaun zu
brechen war nicht sein Metier.
Über unsere Kirchengemeinde ltinaus hat
pfarrer Münderlein von seinem biblischen
Glaube her immer teilgenommen an der
Entwicklung in unserer Stadt und unserem
Land, sich mitgefreut an demokratischen
Fortschrinen und gelitten unter Verstößen
gegen die Menschenwürde.
Gerne hat Johannes Münderlein die Spanne
unserer Gemeinde ausgefüllt zwischen der
manchmal mühsamen Arbeit in unserer
evangelischen Diaspora und den großen
schönen Kantaten- und Fest-Gottesdiensten
in der Erläserkirche. In Gottesdienst und
Predigt war er in seinem Element, "der
Evangelist unter unseren Pfarrern", wie ihn
ein Gemeindeglied einmal genannt hat.
Dir, lieber Johannes, wünsche ich weiterhin
eine gesegnete Zeit. Ich freue mich auf die
Begegnungen mit Dir und auf Deine Mitarbeit,
die Du aus Deinem Ruhestand heraus
tun wirst. 0

Chronik der Jahre mit Pfarrer Münderlein
Pfarrer z. A. Joachim Habbe

Dieser kleine Abriß möchte einige Ereignisse
der letzten gut 20 Jahre aufgreifen,
um die Gemeinde zu beschreiben, in, für
die und mit der Pfarrer Johannes Münderlein
und seine Familie gewirkt haben.
Johannes Münderlein prägte über 20 Jahre
die Geschichte der Bad Kissinger Kirchengemeinde
in der Zusammenarbeit mit vielen
Menschen. Stellvertretend für diese
werden hier vor allem die "Hauptamtlichen"
genannt.

1970
Pfarrer (Pfr.) Hermann Baum übernimmt die I. Pfarrstelle.
Seine Kollegen sind Hans Niederstraßer (2.),
Dieter Botzki (3.) und Pfarrvikar Eichner (Oerlenbach).
Kantor ist Otto Eisenburger.
Vertrauensmann des neuen Kirchenvorstandes
ist Gotthilf Riedel.
Vorsitzender des Diakonievereins ist Alfred Balzer
und im Büro sitzt Frau Pavel.
Das Gemeindehaus ist gerade eingeweiht
und beginnt sich mit Leben zu füllen.
In die Wohnungen ziehen Diakon Siegfried Koch
mit Familie und Schwester Eva Peise ein.
Die Seniorenarbeit mit dem Helferkreis blüht auf.
Die landeskirehliehe Gemeinschaft zieht mit
Bibel-, Kinder- und Jungseharstunde ein
und die offene Jugendarbeit im "Käfig" beginnt.

1971
Johannes Münderlein übernimmt
die Stelle von Dieter Botzki, die nun für
die Kurseelsorge neu konzipiert werden
soll und zieht mit seiner Familie in die
Elisabethstraße

1972
PFarrvikar Eichner geht.
Die Stelle bleibt unbesetzt.

1973
Walter Fries übernimmt die 2. Pfarrstelle
von Hans Nicderstraßer.
Familie Münderlein zieht in das alte
katholisehe Pfarrhaus in Garitz.
Aus einer Gospel-Night im Gemeindehaus
erwächst eine Jugendgruppe.

1974
Familie Münderlein zieht
in die Schützenstraße.

1975
Kantor Gerd Jacob übernimmt
die Stelle von Duo Eisenburger.

1976
Margot Hahn übernimmt die Stelle
von Frau Pavel.
Hennann Baum geht in den Ruhestand.
Ein heißer Sommer macht die Orgel unspielbar.
Das neue Katharinenstift wird eingeweiht.
Kirchenvorstandswahl.

1977
Johannes Münderlein wechselt
auf die 1. Pfarrstelle.
Die Familie zieht in die
von-Hessing-Str. 4 um.
Das Haus in der Salinenstr. 4 wird erworben.
Schwester Betty Herbst folgt Schwester Eva Peise
und baut die Diakoniestation aus.

1978
Beginn der Kirchenrenovierung mit
Verlegung der Sakristei unter den Chorraum
und Durchbruch der Bögen zur Fürstenloge
und zur alten Sakristei.

1979
Einweihung der neuen Orgel.

1980
Abschluß der Innenrenovierung
mit neuern Altar und neuer Altarplastik.
Die Kirche erhält den Namen "Erlöserkirche".
Ein oekumenisches Team übernimmt
die Weltgebetstagsarbeit von lIse Krause
und Frau Warmuth, den Vorsitzenden der beiden
Frauenbünde.
Anfänge der oekumenisehen Kurseelsorge.
Dr. Ernst Öffner übernimmt die 3. Pfarrstelle
und zieht mit seiner Familie
in die SaJinenstraße 4 ein.

1981
Die Gestaltung als "Haus der Begegnung"
ist abgeschlossen.
Das Kammerorchester der Erlöserkirche wird gegründet.
Martin Vogtmann wird
für die Jugendarbeit angestellt.

1982
Oskar Pflüger wird Dekan an der Herz-Jcsu-Kirche.
Kirchenvorstandswahl.
In der Diakoniestation wird eine
zweite Ganztagesstelle geschaffen,
die Schwester Beate Sak übernimmt.

1983
Michael Lochner übernimmt die
Kantorenstelle von Gerd Jacob.

1984
Walter Fries wechselt
nach Schweinfurt.

1985
Diakon Bernd Raabe übernimmt
auf katholischer Seite die Kurseelsorge
von Dr. Mahr.
WernerAlbrecht übernimmt
die DiakonensteIle von Siegfried Koch.
Arno Schneider übernimmt die 2. Pfarrstelle.

1986
Die oekumenische Kurseelsorge etabliert sich.
Oberkirchenrat Theodor Glaser
predigt in einem Kantatengottesdienst.

1987
Die oekumenische Kurseelsorge
bekommt ihr heutiges Logo
"Auch das ist Kur".
 
Erster Kantatengottesdienst im Rahmen
des Kissinger Sommers.
Israel-Reise einiger Gemeindeglieder.

1988
2. Israelreise.
Ein Team übernimmt den Fraucn-Missionsgebetskreis
von Eva Peise.
Fritz Lieb übernimmt die DiakonensteIle
von Werner Albrecht.
Sylvia Lotter uhd Karla Lamp
teilen sich nun die Stelle von Margot Hahn.
Die Außenrenovierung der Erlöserkirche
wird abgeschlossen.
Der Kantatengottesdienst des Kissinger Sommers
wird vom Rundfunk übertragen.
Ein oekum. Gottesdienst gedenkt der Reichskristallnacht.
Kirchenvorstandswahl.

1989
Magda1ene Krehl übernimmt die
Stelle von Karla Lamp.
Martin Vogtmann gibt seine Stelle auf.
Bia und Manue! Ritter übernehmen
die 3. Pfarrstelle von Dr. Ernst Öffner.
Das alte Katharinenstift wird
nun als Übersiedlerwohnheim genutzt.

1990
Schwester Erika Strubel übernimmt
die Stelle von Schwester Betty Herbst.
Margrit Höhn wird zur Betreuung von
Aussiedlern angestellt.
Drei Jubiläen werden begangen:
150 Jahre evangelischer Gottesdienst,
100 Jahre evangelischer Kirchenchor
und 20 Jahre evangelisches Gemeindehaus
in Bad Kissingen.
Der Frauenbund lädt Christen
aus Springstille ein.
Ein oekum. Gottesdienst zum Tag der
deutschen Einheit wird gefeiert.

1991
Oekum. Friedensgebete.
Hans Welmann übernimmt die
Mesner- und Hausmeisteraufgaben
in der Gemeinde.
Oekum. Buß- und Bettagsgottesdienst
in Nüdlingen.
Stefan Kagl übernimmt die Kantorenstelle
von Michael Lochner.
Pfarrvikariat (Bad Bocklet)
wird mit Pfarrersehepaar
Annette Schuck-Habbe
und Joachim Habbe neu besetzt.
Charlotte Fries übernimmt
die Stelle von Magdalene Krehl.

1992
Renovierung des Gemeindehauses
in Oerlenbach abgeschlossen.
Anschaffung einer neuen Orgel.
Innenrenovierung des Gemeindehauses
in Bad Bocklet einschließlich
einer Altarneugestaltung abgeschlossen.
Umzug des Ehepaares Münderlein
in die Bachäckerstr. 39.
Neuer Vorsitzender des Diakonievereins
wird Gotthilf Riedel.

1993
Johannes Münderlein
geht in den Ruhestand.