.Gemeindehaus "Englische Kirche"

 
 
Die anglikanische Kirche im bayerischen Staatsbad Bad Kissingen bestand von 1862 bis zu ihrem Abriss im Jahr 1968.

Zahlreiche Kurgäste und Sommerfrischler aus Großbritannien waren der Grund, weshalb man sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Bad Kissingen erste Gedanken über den Bau eines anglikanischen Gotteshauses machte.
 
Nach Spendenaufrufen in der Lokalpresse und weiteren Aktionen eines Kirchenkomitees kamen Spenden von Gästen und Gönnern.
 
Komiteevorsitzender George Tomlinson (1794–1863), als Bischof von Gibraltar verantwortlich für alle im Ausland lebenden oder reisenden Gläubigen, und der italienischstämmige britische Arzt Augustus Bozzi Granville (1783–1872) als Sekretär waren für Verwaltung und Verwendung der gesammelten Spenden verantwortlich.

Am 24. August 1862 konnte das Kirchengebäude an der Ecke Salinenstraße und Maxstraße nach siebenjähriger Bauzeit geweiht werden. Der turmlose Bau im Stil der romantisierenden Neugotik hatte einen kreuzförmigen Grundriss und war durch Filialpfeiler vertikal gegliedert.
 
Die schon vor der Eröffnung durch Spenden gedeckten Kosten lagen bei 1.350 englischen Pfund. Auch die komplette Ausstattung wie die Bemalung der Decke und die schmiedeeiserne Umzäunung konnten durch spätere Spenden finanziert werden.
 
Treuhänder Granville stellte außerdem einen Pfarrer mit einem Monatsgehalt von 15 Pfund ein. Der Organist Gould sammelte nach den Gottesdiensten weitere Spenden. Gehälter und alle weiteren Ausgaben konnten durch diese fortlaufenden Spenden gedeckt werden.

Der Erste Weltkrieg sorgte für einen Einbruch, später ein Ausbleiben der aus Großbritannien kommenden Kurgäste, so dass es keiner Gottesdienste mehr bedurfte.
 
1933 kaufte die evangelische Kirchengemeinde das anglikanische Gotteshaus in der Absicht, es zu einem Gemeindehaus umzubauen. In einem Bericht des Pfarramts über die Neuneinrichtungen im Jahr 1933 heißt es:
 
"Im Januar 1933 kaufte der Verein Evangelisches Gemeindehaus von der Colonial & Continantal Church Society in London um 200 Pfund d. i. 2840 RM in bar die Englische Kirche in der Salinenstrasse.
 
Damit hat der Verein an einem sehr geeigneten Platz ein Gebäude gewonnen, das, wenn die Mittel einmal ausreichen, sich durch Umbau zu einem Gemeindehaus gestalten lässt, in dem die längst empfundenen Bedürfnisse der Gemeinde (Kinderschule, Schwesternstation, Heim für auswärtige Schüler und Räume für die Jugendarbeit) befriedigt werden können.
 
Die Verpflichtung, die der Verein übernommen hat, das Gebäude nötigenfalls für Englische Gottesdienste zur Verfügung zu stellen, hindert nicht die freie Verwendung. Bis auf Weiteres ist die Abhaltung englischer Gottesdienste nicht nötig. Sollte das in Zukunft anders werden, so wird auch in einer umgebauten Kirche immer ein genügend grosser Raum für den Gottesdienst vorhanden sein. Der Verein hat die Abhaltung englischer Gottesdienste ausdrücklich an die Bedingung geknüpft, dass jeweils das evang. Pfarramt Bad Kissingen damit einverstanden ist."
 
Die englische Kirche wurde in den Jahren danach tatsächlich als Behelfsgemeindehaus genutzt. Doch zeigten sich bald schwere Schäden am Fundament, so dass sich bis 1965 die südliche Giebelmauer zunehmend zur Maxstraße hinneigte.

Schließlich wurde das Gebäude 1968 abgerissen. An seiner Stelle baute die evangelische Kirche ein neues Gemeindehaus.

Quelle: Wikipedia
 
Literatur:
Marion Page: Die anglikanische Kirche,
in: Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hrsg.): 1200 Jahre Bad Kissingen 801–2001, Facetten einer Stadtgeschichte, Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen, Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, ISBN 3-929278-16-2, Seite 308