2016-02-21 Einführung von Pfarrerin Christel Mebert

21. Februar 2016
Mit Durchsetzungsvermögen
und Fingerspitzengefühl
Christel Mebert:erste Pfarrerin auf der Ersten Pfarrstelle Bad Kissingen

Bad Kissingen, So., 21. Februar 2016. „Schon wieder Bad Kissingen!“ mag sich Dekan Oliver Bruckmann insgeheim gedacht haben. Nein, er hat es laut vor versammelter Gemeinde in der Erlöserkirche gesagt: In seinen inzwischen zehn Dienstjahren im Dekanat Schweinfurt habe er neun Mal nur mit Einführungen und Verabschiedungen in der berühmten Kurstadt zu tun gehabt. Er plane schon, feste Tage einzurichten, um künftig gleich mehrere solcher Großereignisse zusammenzufassen. Denn Bad Kissingen hat nicht nur drei Pfarrstellen, die – laut Dekan – „wie in einem Karussell besetzt werden“, sondern auch eine Krankenhaus-Seelsorgestelle und einen Diakonenposten, deren Neubesetzung in Bälde ansteht. „Dynamik ist schön und gut, aber Stabilität auch.“

Zurzeit ist außerdem nach nicht einmal fünf Jahren die III. Pfarrstelle wieder vakant, denn Pfarrerin Christel Mebert hat sich erfolgreich auf die Erste beworben, die ihr nun mit Wirkung vom 1. Februar „mit allen Rechten und Pflichten übertragen“ wurde. Jedenfalls zeigte sich der Kirchenvorstand erleichtert, dass nach gut einem Jahr, nach Pfr. Jochen Wildes Verabschiedung und Weggang nach München am Neujahrstag 2015, die Gemeindeleitung, die Pfrin. Mebert derweil kommissarisch inne hatte, in festen – eben in schon bewährten – Händen liegt.

Damit steht zum ersten Mal in der Kirchengeschichte Bad Kissingens eine Frau der Großgemeinde vor, quasi eine Kapitänin. In seiner Einführungsansprache bezeichnete der Dekan Frau Mebert als „eine weltoffene Theologin, die zielführend moderieren“ und „ein wirklich großes Team mit Durchsetzungsvermögen und Fingerspitzengefühl führen kann“. Er nannte eine schier nicht enden wollende Aufgabenpalette, unter vielem anderen: Touristenseelsorge, Netzwerkarbeit, Förderung des ökumenischen Dialoges, Kooperation mit der Diakonie, Erwachsenenbildung, Achten auf eine besonders hohe Qualität der Gottesdienste, umfangreiche Leitungsaufgaben und die Versorgung eines großen Sprengels von fast 2000 Gemeindegliedern. Bruckmann schloss mit dem Mutmachwort: „Wir trauen es Ihnen zu und bitten Gott um seinen Segen“.

Wie in Bad Kissingen gewohnt und großgeschrieben, trug der Gottesdienst eine stark musikalische Note. Geprägt von der Handschrift des Kirchenmusikdirektors Jörg Wöltche, kamen verschiedene Stile zu Gehör. Beginnend mit dem New-Gospel-Chorsatz der KisSingers „What a day, Halleluja“ beim Einzug der Geistlichen und des KV, gefolgt von „Let me fly“ des Jugendgospelchors PraiSing bis zur Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ (BWV 51) mit dem Kammerorchester Bad Kissingen; herausragend hier die lyrische Sopranstimme von Ilse Fenger und die sog. Bach-(Piccolo-)Trompete von Bernhard Kimmel mit präziser Intonation.

Nach ihrer Einführung und Segnung predigte Pfarrerin Mebert über eben dieses Werk, das aber, wie sämtliche mehr als 300 Bachschen Kantaten, selber predige und dem Schöpfer die Ehre gebe. Zwar habe der Komponist „Jauchzet Gott in allen Landen“ für den 15. Sonntag nach Trinitatis 1730 geschrieben, aber mit der Bemerkung versehen, dass man sie „zu jeder Zeit musizieren“ könne. Gekonnt kombinierte Mebert den Text mit dem Evangelium des Tages aus Jesu Bergpredigt „Sorget nicht um euer Leben ...“ (Matthäus 6,25): Dieser Zuspruch könne nur dem gelten, der Sorgen habe. Bleibt uns nicht oft genug das Lob Gottes im Halse stecken? Dies gelte sowohl im Blick auf ganz persönliche Sorgen, etwa wenn sich Heilungserfolge nicht so schnell einstellten, als auch hinsichtlich der Weltkrisen, beispielsweise wenn im Iran dieses Bekenntnis zu Gott, öffentlich geäußert, das Todesurteil nach sich ziehe. Doch – so Mebert weiter – wenn wir auf Gottes fürsorgenden Beistand vertrauten, gewännen Sorgen nicht die Oberhand „Es gibt auch ein Lob in sorgenvollen Zeiten, ein Lob aus der Tiefe.“ Sie schloss mit bewährtem Luther-Zitat: „Es versuche nur jemand und greife zum Lobe Gottes, wenn ihm nicht wohl zumute ist, und er wird alsbald eine Erleichterung empfinden.“

An den Gottesdienst schlossen sich einige Grußworte für die „erste Geleiterin“ der Kirchengemeinde an, darunter von Thorn Plöger im Namen des Kirchenvorstandes: „Die Gemeinde wird viel erwarten, aber dich auch unterstützen“; bekanntlich wohne jedem Anfang ein Zauber inne. Pfarrerin Susanne Rosa bekundete für das Pfarrkapitel ihre Dankbarkeit, „dass du uns erhalten bleibst“, und wünschte ihrer Kollegin viel Kraft für die vor ihr liegenden Aufgaben. Kaplan Paul Reder richtete Grüße von der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde und der Pfarreiengemeinschaft „Jesus – Quelle des Lebens“ aus: „Es ist gut, dass wir dich an der Seite haben“, und Bad Kissingens Oberbürgermeister, zugleich KV-Mitglied Kay Blankenburg ließ die „Tour de Franken“, nämlich die bisherigen Dienstorte der Pfarrerin, Revue passieren: Aschaffenburg – Erlangen – Coburg - „und jetzt der krönende Höhepunkt“. „Wir brauchen eine starke evangelische Kirche als selbstbewusste Partnerin in gelebter Ökumene.“

Nach dem Dankeswort der Pfarrerin bildete sich eine schier nicht enden wollende Schlange derer, die ihr persönlich die Hand schütteln und den Imbiss im Chorraum erreichen wollten.