Kantatengottesdienst 2014

Haltestelle für die Seele

Kantantengottesdienste berühren tief im Innern

Ein besonderer Höhepunkt des Kissinger Sommers ist und bleibt der Kantatengottesdienst in der Erlöserkirche. Diesmal wirkten mit: das Kammerorchester Bad Kissingen, der Würzburger Madrigalchor sowie als Solisten Ilse Fenger (Ingelheim), Katrin Edelmann (Premich), Eric Fergusson (München). Die musikalische Leitung hatte Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche (Foto: P. Klopf)

 

Bad Kissingen (klk). Kantatengottesdienste in der evangelischen Erlöserkirche sind seit Anbeginn ein fester Bestandteil des Kissinger Sommers. Dementsprechend groß war auch der Andrang am Sonntagvormittag, einen der begehrten Sitzplätze zu erlangen.

Mit Johann Sebastian Bachs „Lutherische Messe in F-Dur“, BWV 233, stand ein musikalischer Leckerbissen auf dem Programm, der einen als Zuhörer überraschte. Der Begriff „Lutherische Messe“ kann missverständlich sein, da es sich bei Bachs Werk um eine Komposition in lateinischer Sprache handelt. Sie vertont das Kyrie und Gloria der „Lateinischen Messe“ und wird daher auch „Missa brevis“ genannt. Die lateinische Sprache war im lutherischen Gottesdienst keineswegs vollständig durch das Deutsche verdrängt worden: Im Leipzig der Bach-Zeit waren lateinische Motetten durchaus gebräuchlich, an hohen und mittleren Festtagen waren Magnificat und Sanctus auf Lateinisch mit voller Orchesterbegleitung vorgesehen.

Trotz ihrer hohen musikalischen Qualität steht diese Messe oft im Schatten anderer Kirchenwerke Bachs. Die Missa Brevis BWV 233 in F-Dur schrieb Bach nach allgemeiner Ansicht gegen Ende der 1730er Jahre, weil sie ähnlich wie die beiden Schwesternwerke, die Missae A-Dur und G-Dur, gestaltet ist, die beide nachweislich in dieser Zeit entstanden. Und wie Bachs weitere vier Messen – einschließlich der großen h-Moll-Messe – beruht sie zu einem großen Teil auf früher komponierten Werken, ist also in weiten Teilen ein Gegenentwurf. Mit ihrer jeweils sechssätzigen Anlage hatten sie ihre spezifische liturgische Stellung im Gottesdienst der Bach-Zeit.

Für die Aufführung bediente sich Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche des Würzburger Madrigalchores, des Kammerorchesters Bad Kissingen sowie Ilse Fenger (Sopran), Katrin Edelmann (Alt), Eric Fergusson (Bass), Christel Gimmler (Solovioline), Christiane Feig (Solo-Oboe) - den Kissingern als Christiane Jungbauer seit vielen Jahren bekannt - und Rudi Schreiter (Orgel). Durchwegs konstant in ihren musikalischen Leistungen, interpretierten die Musiker in virtuoser Weise die vorgegebene Konzertliteratur. Präzise in ihren Ausführungen und dem dazu gehörenden Gefühl zum Detail nahmen sie die Zuhörer musikalisch an die Hand und entführten sie in die fantastischen Klangwelten des Barocks. Beeindruckend auch die gesanglichen Leistungen des Madrigalchores sowie der drei Gesangssolisten Ilse Fenger (Sopran), Katrin Edelmann (Alt), Eric Fergusson (Bass). In bemerkenswerter Weise ließen sie ihre Gesänge und Arien erklingen, die entzückten.

Den feierlichen und ansprechenden Gottesdienst leitete Pfarrerin Christel Mebert, die Festpredigt hielt Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihrer Predigt ging sie auf die Bach-Messe ein und beschrieb gleichzeitig ihren Bezug zu Gott. Sie erläuterte, dass Martin Luther die Messe nicht abgeschafft, sondern neu gedeutet habe. „Die Messe ist der Raum, in dem nicht gerechnet und bewertet wird, wie im Konsumrausch. Wenn wir beten, so vernetze ich mich, denn die ganze Welt wird im Gebet verbunden. Die Messe ist ein innerer Weg zu Christus und auch zu uns“, so Haberer.

Dank der außergewöhnlichen Bach-Messe, der gelungenen Interpretation, des feierlichen Gottesdienstes, entstand ein außergewöhnliches Erlebnis für Herz und Sinne, bei dem die Seele Atem schöpfen konnte.
(Text und Fotos: Peter Klopf)

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