Visitation 2010

"Eine irrsinnige Aufgabe"
Visitation der
Kirchengemeinde Bad Kissingen
durch Dekan Oliver Bruckmann

Bericht und Fotos:
Dr. Siegfried Bergler
 
 
Stichwort "Visitation": Die bekannteste und wichtigste Visitation der Welt- und Kirchengeschichte fand bereits vor über 2000 Jahren statt - und zwar in Nazareth. Gemeint ist die visitatio Mariae, in etwas missverständlichem Luther-Deutsch: "die Heimsuchung Marias" durch den Engel Gabriel ("Ave Maria!") mit dem Resultat, dass Maria bald darauf schwanger wurde. Dekan Oliver Bruckmann suchte sich für seine erste Visitation Bad Kissingen aus: die sowohl von der Gemeindegliederzahl als auch von der Fläche her größte Kirchengemeinde seines Dekanates und damit auch eine der größten unserer Landeskirche. Visitation heißt für ihn: alle Sorgen, Nöte, Herausforderungen einer Gemeinde kennen lernen und ihr dann - insbesondere natürlich den dort Tätigen - Rat und Hilfestellungen geben.

 Dekan Bruckmann mit Pfr. Jochen Wilde (r.):
"Visitator sum. Tu es visitatus!"
 
Bad Kissingen, 20.10.2010. Ein Tag im Leben des Dekans. So muss man eigentlich jeden seiner Arbeitstage betiteln. Doch gerade die acht Tage seiner offiziellen Visitation in Bad Kissingen (vom 17.10. bis 24.10.2010) waren recht lange Tage, weshalb er sogar einige Nächte in der Kurstadt verbrachte, die sicher recht kurz und ausgefüllt waren mit der Protokollierung seiner gesammelten Eindrücke und Erfahrungen aus den wahrgenommenen Terminen und Begegnungen.

Als Musterbeispiel sei Mi., der 20.10., herausgegriffen. Schon ganz früh - um 8.00 Uhr - war ein Treffen mit dem Bürgermeister im Außenort Bad Bocklet angesagt, direkt im Anschluss daran ein Besuch in der dortigen Rehaklinik, korrekt: dem Rehabilitations- und Präventionszentrum inkl. Parkhotel Bad Bocklet.
 
 
Gruppenbild im Markt Bad Bocket (v.l.):
Pfr. Jochen Wilde, Dekan Oliver Bruckmann,
Bürgermeister Wolfgang Back u. Pfr. Markus Vaupel
 
 
Gruppenbild mit Dame (v.l.):
der Dekan, Kur-/Reha-Seelsorgerin Pfrin. Claudia Weingärtler
u. Rehaklinik-Geschäftsführer Harald Barlage (Foto: Vaupel)
 
11.00 Uhr: Zurück in Bad Kissingen: Mitglieder des Stadtrates aus fast allen Fraktionen, ebenso Presseleute waren zum Empfang im Rathaus erschienen. OB Kay Blankenburg begrüßte sie und natürlich die KirchenvertreterInnen, an ihrer Spitze Dekan Oliver Bruckmann. Einer Laudatio gleich skizzierte Blankenburg, selbst KV-Mitglied in der evang. Erlöserkirchengemeinde, die "irrsinnige Aufgabe" einer Visitation, die sich der Dekan gestellt habe mit dem Ziel, das geistliche Leben am Ort, aber auch die Organisation und Struktur des Glaubenslebens zu fördern.

Für den Dekan ist es seine erste Visitation - und diese gleich in der mit 7500 Evangelischen größten aller 27 Kirchengemeinden seines Dekanates, zudem in dem bedeutenden und bekanntesten Kurort Deutschlands. In seiner Antwort lobte Bruckmann ausdrücklich den Bereich der Kur- und Rehaseelsorge sowie den der Kirchenmusik und das ausgesprochen gute Verhältnis zwischen Kommune und Kirche, die ja beide dasselbe Anliegen vertreten würden: für die Menschen da zu sein.

So hat die Mainpost-Bad Kissingen vom 21.10.2010 über den Empfang berichtet unter der Überschrift:
Alter Bekannter auf Stippvisite im Rathaus

(st) Dekan Oliver Bruckmann ist jetzt auch in Bad Kissingen angekommen. Im Rahmen seiner Visitation (wir berichteten, s. u.) schaute der Chef des evangelischen Dekanatsbezirks Schweinfurt gemeinsam mit anderen Kirchenverantwortlichen bei Oberbürgermeister Kay Blankenburg vorbei.

Bei Weck und Wein im Trausaal wurde schnell klar: Die Chemie stimmt zwischen den beiden. Immerhin kennen sie sich schon länger, Blankenburg sitzt im Kirchenvorstand: „Wir treffen uns bei den Neujahrsempfängen in Schweinfurt“, sagte Bruckmann. Er bestätigte seinen „ersten guten Eindruck“ von der „mit 7500 Seelen größten Kirchengemeinde des Dekanats“. Das Feld sei bereitet, alle Aufgaben, die zum geistigen Leben dazugehörten, eingenommen.

Blankenburg sagte, die Beziehung Stadt und Kirche seien gut; er wünsche sich aber Impulse für die geistige Entwicklung in den Gemeinden: „Wir wissen, dass wir mit unserem Glauben richtig liegen. Jetzt müssen wir das Richtige an die Menschen bringen.“ Dabei ginge es aber nicht um Abwehrkämpfe gegen andere Religionen.
 
 
Wiedersehen im Treppenhaus:
Dekan Oliver Bruckmann und Oberbürgermeister Kay Blankenburg
 
 
Der OB: "Willkommen in Bad Kissingen!"
 
 
Mitglieder des Stadtrates und Mitarbeiter des Dekanates
lauschen der Rede des Bürgermeisters
 
 
Hunger nach dem Empfang?:
beim - nennen wir es mal - Arbeitsessen im Ratskeller (v.l.):
Kantor Jörg Wöltche, Dekan Oliver Bruckmann,
Pfr. Jochen Wilde, Pfr. Heiko Kuschel
 
13.00 Uhr: Gespräch im Kurviertel mit der Staatsbad Bad Kissingen GmbH, namentlich mit Kurdirektor Gunter Sauer und der Kulturveranstalterin Jutta Dieing. Beide hoben die hervorragende Zusammenarbeit sowohl mit der Erlöserkirchengemeinde als auch mit den Kur- und Reha-Seelsorgern Claudia Weingärtler und Wolfgang Ott hervor. Gemeinsame Veranstaltungen wie die "Osterklänge", Vorträge, hier besonders Lebenshilfe-Themen, aber auch Ausstellungen (erinnert sei an die nicht unumstrittene "Eros und die Gottesfrage" im Jahre 2008) werteten sie als Zeichen einer "starken Partnerschaft". Pfarrer und Kurseelsorger zeigen sogar auf der offiziellen Webseite des Staatesbades Präsenz und haben im Arkadenbau des Kurhauses ein eigenes Gesprächszimmer (Menzelzimmer). Sorgen des Dekans, dass aufgrund der Schließung des Steigenberger-Hotels, des besten Hauses am Ort, die Übernachtungszahlen drastisch zurückgehen würden und dadurch das Stellenkontingent für Tourismussseelsorge reduziert werden müsste, räumte Sauer aus:  Die "Klinikfizierung" durch Umbau etlicher Häuser zu Reha-Einrichtungen würde sogar die Übernachtungszahlen ansteigen lassen. Abschließend wünschte sich Frau Dieing mehr Ökumene, was Gottesdienste zu wichtigen Staatsbad-Anlässen und -Jubiläen anbelange.
 
 
Gedankenaustausch in lockerer Runde (v.r.):
Pfrin. Claudia Weingärtler, Dekan Bruckmann,
Jutta Dieing und Gunter Sauer (Staatsbad GmbH) sowie Pfr. Jochen Wilde
 
14.30 Uhr: Ins Gemeindehaus der Erlöserkirche waren neben einigen Schulleitungen alle staatlichen und kirchlichen Lehrkräfte, die in Bad Kissingen und den dazugehörigen Außenorten Religionsunterricht erteilen, eingeladen; fünfzehn hatten sich eingefunden. Immerhin werden, wie der Dekanatsschulbeauftragte, Pfr. Heiko Kuschel, profund ausführte, im Dekanat pro Woche 537 Stunden Religionsunterricht erteilt, davon 89 Std. im Bereich Bad Kissingen. Der Dekan bedankte sich für diese "Fronttätigkeit". Gerade in der Schule treffe man auf Lebensfragen und Erfahrungen junger Menschen. Doch wo drücke den Lehrern der Schuh? An Problemen wurden ihm u.a. genannt: große jahrgangsübergreifende Gruppen, die zum Teil defizitäre Raumsituation, zunehmende Säkularisierung des Unterrichtes durch der Kirche fern stehende Lehrkräfte und der Wunsch nach stärkerer Beteiligung der Ortsgeistlichen an Schulgottesdiensten.
 
 
Dekanatsschulbeauftragter Heiko Kuschel (l.)
ermutigte die Lehrkräfte: "Be a hero, be a teacher!"
 
 
Dekan Bruckmann zusammen mit Schulamtsdirektor Josef Hammerl
und Rudolf Hoffmann/Schulleiter der Staatl. Berufsschule Bad Kissingen
 
16.30 Uhr: Gleiches Thema - diesmal jedoch in kleiner Runde weiter vertieft im Staatlichen Schulamt des Landkreises Bad Kissingen im Außenort Hausen: Schulamtsdirektor Josef Hammerl und Schulentwicklungsberater Studienrat Rupert Kestler legten dem Dekan die Schwierigkeiten dar, evangelischen Religionsunterricht in der Diaspora zu halten und eine alle zufrieden stellende Verteilung des Unterrichtes zu ermöglichen; so seien im Markt Burkardroth nur fünf Prozent der SchülerInnen evangelisch. Auch über den Dienst von sog. "Springern" und den fast unmöglichen Einsatz von Lehramtsanwärtern/innen für das Fach Evangelische Religion im Raum Bad Kissingen wurde diskutiert. Immerhin eine Sorge hat man dort nicht, wie es Direktor Hammerl auf den Punkt brachte: "Der Islam gehört zwar zu Deutschland, aber nicht zu Bad Kissingen."
 
 

Wieder Anflug eines Arbeitsessens:

Der Dekan (Mitte) im Landkreisschulamt; links: SR Rupert Kestler, rechts: Schulamtsdirektor Josef Hammerl

19.00 Uhr: Sitzung des Dekans mit dem Kirchenvorstand der Erlöserkirche sowie mit Haupt- und Ehrenamtlichen der Gemeinde. Wann sie und ob sie überhaupt noch an jenem Mittwoch endete, entzog sich der Kenntnis des Webmasters. Schließlich musste er auch mal schlafen gehen.

Was es noch von der Visitation mitzuteilen gibt, finden Sie im Bericht über die Herbstsynode des Dekanates, die ebenfalls in jener Woche in Bad Kissingen tagte. Vielleicht stimmt ja der Befund des Dekans mit dem des Apostels Paulus über die Gemeinde von Thessalonich überein: "Liebe Brüder (und Schwestern), wir wissen, dass ihr erwählt seid ... und ein Vorbild geworden allen Gläubigen in Mazedonien und Achaja" (1. Thess 1,4.7).

Lesen Sie auch das Resümee in der Bad Kissinger Presse!

Zu guter Letzt: Begegnung mit dem Ersten Bürgermeister von Markt Burkardroth Waldemar Bug (Mitte)     (beide Fotos: Markus Vaupel)

Konsultation mit Leitungen und Pflegekräften aus 14 Seniorenheimen;
links außen: Barbara Mayerhofer/Geschäftsbereich Stationäre Altenhilfe

Weiteres zur Visitation aus der Presse zitiert:


Bad Kissingen (far). Der evangelischen Kirchengemeinde Bad Kissingen steht ein wichtiger Besuch ins Haus. Dekan Oliver Bruckmann aus Schweinfurt kommt vom 17. bis 24. Oktober zur Visitation.

„Es wird eine intensive, aber auch höchst interessante Woche“, ist sich Pfarrer Jochen Wilde sicher. Der Pfarramtsführer der evangelischen Erlöser-Kirchengemeinde beschreibt in einer Pressemitteilung zudem, welchen Sinn eine Visitation laut Kirchengemeindeordnung hat. Sie solle „dazu verhelfen, das geistliche Leben der besuchten Gemeinde zu fördern, sowie die Pfarrer und Mitarbeitenden zu beraten und zu stärken“.

Wilde erwartet Impulse

Wilde verspricht sich zudem Impulse für die zukünftige Gemeindeentwicklung: „Wir stellen heute die Weichen, wie Kirche und Gemeinde morgen aussehen werden. Wir müssen uns als Gemeindeleitung darüber im Klaren sein, welche Prioritäten wir setzen wollen und wie wir die finanziellen und personellen Ressourcen nachhaltig einsetzen.“

Die Visitation beginnt am Sonntag, 17. Oktober, mit dem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der Erlöserkirche. Dem schließt sich eine Gemeindeversammlung im Gemeindehaus an der Salinenstraße an, bei der jeder Gelegenheit hat, seine Wünsche und Anregungen an die Kirchenleitung vor Ort weiterzugeben.

In den darauf folgenden Tagen soll sich der Dekan ein möglichst umfassendes Bild der Gemeinde machen. Es finden Gespräche mit den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern statt. Zwei Schulbesuche stehen auf dem Programm sowie ein Treffen mit allen Lehrkräften, die evangelischen Religionsunterricht erteilen.

Da sich das Gebiet der Kirchengemeinde über rund 500 Quadratkilometer erstrecke, so Wilde weiter, seien auch Bad Bocklet und Burkardroth Bestandteil der Visitation. Die Jugendarbeit – in Stadt und Kirchengemeinde gleichermaßen – solle begutachtet werden, ebenso die diakonische Arbeit in Senioren- und Pflegeheimen. Ein Anliegen sei auch die Begegnung mit Bürgermeistern aus dem Landkreis und Verantwortlichen der Staatsbad GmbH. Das Elisabeth-Krankenhaus stehe ebenso auf dem Programm wie der Besuch einer Reha-Einrichtung. Auch die Ökumene dürfe im Wochenplan nicht fehlen: Am Freitagabend treffen sich die Vertreter der beiden Konfessionen zum Gedankenaustausch.

Dekanatssynode

Am Samstag, 23. Oktober, trifft sich die Dekanatssynode in Bad Kissingen. Dabei stehen nicht nur Haushalts- und Landesstellenplan auf der Tagesordnung; die Synodalen sollen eingestimmt werden auf den evangelischen Dekanatskirchentag, der am 28. und 29. Mai 2011 in der Kurstadt geplant ist.

Den Abschluss der Woche bildet ein Gottesdienst am 24. Oktober (9.30 Uhr), dem sich ein Auswertungsgespräch mit dem Kirchenvorstand anschließt.

(aus: Mainpost - Lkr. Bad Kissingen vom 13.10.2010)